Ocugen hat einen Vertriebspartner für seine Gentherapie OCU400 im Nahen Osten und in Nordafrika gefunden. Der Deal bringt kurzfristig überschaubare Einnahmen, birgt aber langfristig erhebliches Potenzial. Er fällt in eine Phase, in der die Aktie knapp über ihrem Jahrestief notiert.

Die Eckdaten des Abkommens

Roots Pharmaceutical und sein strategischer Partner Al-Dhow International Holding erhalten die exklusiven Rechte an OCU400 für die MENA-Region. Das Mittel soll Retinitis pigmentosa behandeln, eine erbliche Netzhauterkrankung, die zu fortschreitendem Sehverlust bis zur Blindheit führen kann.

Ocugen bekommt eine Vorabgebühr plus mögliche Entwicklungszahlungen von zusammen bis zu 4 Millionen Dollar. Hinzu kommen potenzielle Umsatzmeilensteine von bis zu 255 Millionen Dollar sowie Lizenzgebühren von 22 Prozent auf die Nettoumsätze. Die kommerzielle Produktion übernimmt Ocugen selbst, geregelt in einem separaten Liefervertrag.

Die Meilensteine sind an Verkaufserfolge geknüpft und damit bislang reine Option. Die Vorabzahlung fällt dagegen vergleichsweise klein aus.

Warum gerade diese Region

Nach Unternehmensangaben ist Retinitis pigmentosa in der MENA-Region 10- bis 20-mal häufiger als in den USA und der EU. Der medizinische Bedarf gilt als entsprechend hoch. Roots wurde 2006 in Kuwait gegründet und vertreibt Therapien in den Golfstaaten und wichtigen nordafrikanischen Ländern. Roots-Chef Islam Zayed sprach zudem von möglicher weiterer Zusammenarbeit über die gesamte Augen-Pipeline von Ocugen.

Die Zulassung steht allerdings noch aus. Die Phase-3-Studie liMeliGhT soll im ersten Quartal 2027 erste Topline-Daten liefern. Danach plant Ocugen Zulassungsanträge in den USA und Europa.

Aktie nahe dem Jahrestief

Der Kurs bleibt unter Druck. Zuletzt lag die Aktie bei rund 0,89 Dollar, knapp über dem 52-Wochen-Tief, und verlor binnen einer Woche etwa 11 Prozent.

CEO Shankar Musunuri verkaufte am 9. Oktober insgesamt 525.991 Aktien für rund 500.000 Dollar. Die Verkäufe liefen über einen Handelsplan nach Rule 10b5-1, den er im Juni aufgesetzt hatte.

Auch die Kapitalstruktur beschäftigt den Markt. Die Aktionäre stimmen über eine Erhöhung des genehmigten Aktienkapitals um 250 Millionen Anteile ab, die Sitzung wurde dafür vertagt. H.C. Wainwright hob das Kursziel zuletzt auf 10 Dollar an, nachdem die Bahamas OCU400 zugelassen hatten.

Entscheidend für die Bewertung bleibt der Studienstart 2027: Die Topline-Daten im ersten Quartal sind der nächste konkrete Termin, an dem sich auch der Wert des neuen MENA-Deals messen lässt.