Ocugen steuert auf einen entscheidenden Wendepunkt zu. Der Biotech-Konzern will vom klinischen Entwickler zum kommerziellen Anbieter werden. Ein frisch fixierter Lizenzdeal für den Nahen Osten liefert dafür jetzt den ersten konkreten Beleg.

Die Aktie legte am Donnerstag um 2,88 Prozent zu und notiert bei 1,29 Euro. Damit liegt der Kurs 7,22 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 1,20 Euro. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Plus von 27,08 Prozent zu Buche — zum bisherigen Jahreshoch von 2,35 Euro aus dem März fehlen aber noch 45,28 Prozent.

Millionendeal für den Nahen Osten

Am Mittwoch meldete Ocugen ein finalisiertes Term Sheet für OCU400. Die Vereinbarung mit Roots Pharmaceutical und Al-Dhow International Holding sichert den Partnern exklusive Vermarktungsrechte für die Gentherapie in der gesamten MENA-Region.

Der Deal bringt Ocugen bis zu 4 Millionen Dollar an Vorab- und kurzfristigen Entwicklungsmeilensteinen. Hinzu kommen kumulative Verkaufsmeilensteine von bis zu 255 Millionen Dollar sowie eine Lizenzgebühr von 22 Prozent auf die Nettoumsätze in der Region. Ocugen behält die Kontrolle über Produktion und kommerzielle Belieferung — das schützt die Margen und nutzt gleichzeitig lokales Marktwissen für den Markteintritt.

Zulassungsantrag rückt näher

Parallel zum Lizenzgeschäft bereitet Ocugen den nächsten großen Schritt vor. Im dritten Quartal 2026 will das Unternehmen mit der rollierenden Einreichung einer Biologics License Application (BLA) für OCU400 bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beginnen. Bei diesem Verfahren reicht Ocugen fertige Abschnitte des Dossiers laufend ein, statt auf die komplette Unterlage zu warten. Das verkürzt den Prozess spürbar.

OCU400 richtet sich gegen Retinitis Pigmentosa, eine erblich bedingte Netzhauterkrankung. Anders als klassische Gentherapien zielt das Präparat nicht auf eine einzelne Mutation. Stattdessen nutzt die Modifier-Plattform das Gen NR2E3, um mehrere Netzhaut-Signalwege gleichzeitig zu regulieren. Diese Strategie könnte eine einmalige Behandlung für hunderttausende Patienten mit unterschiedlichen genetischen Ausprägungen der Krankheit ermöglichen.

Kapitalpolster bis 2028

CEO Shankar Musunuri präsentierte die Fortschritte des Unternehmens am 14. Juli beim OIS Retina Innovation Summit in Montreal. Dort sprach er über regenerative Ansätze bei Netzhauterkrankungen. Neben OCU400 treibt Ocugen zwei weitere Programme voran: OCU410 gegen geografische Atrophie und OCU410ST gegen die Stargardt-Krankheit.

Die finanzielle Basis für diese Programme legte Ocugen bereits Anfang des Jahres. Eine Wandelanleihe brachte rund 115 Millionen Dollar ein. Das Kapital soll die Liquidität bis ins Jahr 2028 sichern — genug, um die entscheidende Phase-3-Studie liMeliGhT abzuschließen und den BLA-Prozess bis 2027 zu finanzieren.

Der RSI von 53,6 zeigt aktuell ein neutrales Momentum. Die Aktie hat sich vom Kursverfall der letzten Monate erholt, ohne bereits in überkaufte Zonen vorzustoßen. Investoren richten den Blick nun auf das dritte Quartal, wenn die rollierende Einreichung bei der FDA tatsächlich beginnen soll.