Liebe Traderinnen und Trader,

5,9 Milliarden Dollar. So viel Cash hat Alphabet im zweiten Quartal 2026 verbrannt – zum ersten Mal in der Firmengeschichte. Tesla legte weitere 1,1 Milliarden Dollar drauf. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem Brent-Rohöl erstmals seit April wieder über 100 Dollar springt, weil der Iran-Krieg eskaliert. Zwei Schocks, die einzeln schon gereicht hätten, treffen an diesem Donnerstag zusammen. Der DAX schloss unter der 25.000er-Marke bei 24.701,92 Punkten, die EZB verweigerte jede klare September-Guidance. Die Frage, die zählt: Wo bricht ein Trade – und wo entsteht gerade ein neuer?

Alphabet und Tesla bekommen die erste Rechnung für den KI-Boom

Die Cashflow-Zahlen sind die Story des Tages, nicht weil Big-Tech-Earnings an sich noch überraschen, sondern weil die Qualität der Enttäuschung neu ist. Alphabet schraubt die Investitionsausgaben gleichzeitig auf 205 Milliarden Dollar hoch – 15 Milliarden mehr als zuvor angekündigt. Der Markt hat die Kombination aus Cash-Verbrennung und noch höherem Capex quittiert: Die Alphabet-Aktie fiel im Xetra-Handel um 6,34 Prozent auf 281,40 Euro. Tesla erwischte es deutlich härter, minus 13,32 Prozent auf 283,70 Euro.

Die Botschaft an jeden, der Hyperscaler im Depot hat: Der Bull-Case „KI baut sich von selbst“ bekommt sichtbare Risse. Amazon (-5 %), Meta (-4 %) und Microsoft folgten nach unten. Entscheidend ist die Lesart – nicht die operativen Zahlen erklären die Kursreaktion, sondern die Erkenntnis, dass der Capital-Verbrauch inzwischen schneller läuft als die Erträge. Intel und SAP müssen heute noch liefern; nach diesen Reaktionen liegt die Latte tief genug, dass schon solide Zahlen als Erleichterung durchgehen könnten.

Passend zu dieser Neubewertung des KI-Trades lohnt sich ein Blick auf die andere Seite der Wertschöpfungskette: die Chip-Hersteller selbst. Genau dort eskaliert gerade ein zweiter Konflikt, den Chip- und Tech-Experte Bernd Wünsche im Live-Webinar „TAM Chipkrieg USA vs China – Die neue NVIDIA“ am 26.07.2026 um 18:00 Uhr einordnet. Anlass sind zwei chinesische KI-Modelle, die das Silicon Valley binnen weniger Wochen aufgeschreckt und einen historischen Kurssturz bei US-Chip-Aktien ausgelöst haben – gleichzeitig kontert Washington mit einem 100-Milliarden-Dollar-Deal, um die eigene Chip-Produktion unabhängiger von China zu machen. Wünsche zeigt konkret, welche Aktie er für die neue Nvidia hält und warum der aktuelle Kurssturz gerade jetzt eine Gelegenheit für aufmerksame Anleger schafft. Wer wie bei Alphabet und Tesla verstehen will, wo im KI-Sektor als Nächstes Kapital verbrannt und wo es neu verteilt wird, findet hier die Halbleiter-Perspektive dazu. Jetzt zum kostenlosen Webinar anmelden

Der Ölpreis ist der eigentliche Auslöser – und er hat eine Handelsrichtung

Brent kletterte auf ein Tageshoch von 100,87 Dollar, WTI auf rund 91 Dollar. Auslöser: Huthi-Milizen griffen mit der „Encelia“ und der „Layla“ zwei saudische Tanker im Roten Meer an, während das US-Militär die zwölfte Nacht in Folge Ziele im Iran bombardierte. Der wichtigere Fakt steckt aber nicht im Tageshoch, sondern in der Kurve dahinter: Anfang Juli lag Brent noch bei rund 71 Dollar. Der Sprung auf fast 100 Dollar innerhalb weniger Wochen ist die eigentliche Nachricht, nicht die Marke selbst – die liegt immer noch unter dem April-Hoch von 126 Dollar.

Für das Depot heißt das zweierlei. Erstens frisst der Energiepreis jede Inflationsentspannung wieder auf: Die Eurozone-Inflation steht bei 2,8 Prozent, deutlich über dem 2-Prozent-Ziel der EZB. Zweitens ist die Rally selbst der handelbare Anker – wer über Öl-ETCs oder Energiewerte positioniert ist, spielt die Geopolitik direkt. Nur eine Warnung gehört dazu: Dieser Trade lebt von der Eskalation und dreht bei der ersten glaubwürdigen Verhandlungsmeldung.

Die EZB schweigt zu September – und die Rechnung geht an die Wachstumswerte

Die EZB beließ den Einlagensatz bei 2,25 Prozent, den Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 Prozent. Lagarde warnte vor Inflationsrisiken durch die Energiepreise, verweigerte aber die entscheidende Aussage: eine klare Guidance für September. Der Markt preist eine Zinsanhebung dort weiterhin als wahrscheinlichstes Szenario ein. Parallel kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,2 Prozent – der höchste Stand seit 2011. Der Euro reagierte prompt: EUR/USD fiel von über 1,14 am Morgen auf 1,1370.

Für Trader ergibt sich daraus eine klare Kausalkette: Solange die EZB die Tür für höhere Zinsen offenhält und die langen Renditen steigen, leiden zinssensible, cash-verbrennende Wachstumswerte doppelt – erst der Capex-Schock aus dem Alphabet-Block, dann der Diskontierungs-Gegenwind aus Frankfurt. Genau in diesem Umfeld gab der TecDAX mit 3.706,59 Punkten deutlicher nach als der breite Markt.

UniCredit geht bei der Commerzbank in die entscheidende Phase

Während Öl und Zinsen die großen Blöcke dominieren, wird im Hintergrund die spannendste M&A-Story des deutschen Marktes konkret. UniCredit will nach der Commerzbank-Zahlenvorlage am 6. August den Dialog wieder aufnehmen und die Kontrolle im vierten Quartal erreichen. Das Angebot bewertet die Commerzbank mit 43,6 Milliarden Euro; nach aufsichtsrechtlicher Genehmigung käme UniCredit auf rund 50 Prozent. CEO Andrea Orcel plant eine dreijährige Übergangsphase, will die Strategie „Commerzbank Unlocked“ ab Januar 2027 umsetzen und dafür 2,2 Milliarden Euro investieren.

Bemerkenswert ist, wie wenig die Übernahmefantasie an diesem Tag geschützt hat: Beide Aktien gaben rund fünf Prozent nach – Commerzbank auf 36,45 Euro (-4,83 %), UniCredit auf 79,43 Euro (-5,43 %). Der Grund liegt im Umfeld, nicht im Deal selbst: An einem Bankensektor-Verkaufstag zieht auch die beste Übernahmestory nach unten. Wer die Commerzbank auf den Deal spielt, sollte sich den 6. August im Kalender markieren – dort entscheidet sich, ob die 50-Prozent-Schwelle greifbar wird. UniCredit selbst erwartet für das zweite Quartal einen Gewinn von 2,91 Milliarden Euro und peilt für 2026 mehr als 11 Milliarden Euro an.

Bitcoin hängt an der 65.000 – die Liquidations-Zahlen verraten die Richtung

Bitcoin notiert bei 64.914 Dollar, ein Tagesminus von 2,4 Prozent, und klebt damit an der psychologischen 65.000er-Marke. Der Ölpreis-Schock hat die Kryptomärkte mit nach unten gezogen. Spannender als der Kurs selbst ist das Liquidations-Setup: Ein Ausbruch über rund 66.738 Dollar könnte 530,9 Millionen Dollar an Short-Liquidationen auslösen – ein Bruch unter 65.289 Dollar dagegen nur 133 Millionen an Long-Liquidationen. Diese Asymmetrie ist ein deutliches Signal: Sollte der Öl-Druck nachlassen, ist ein Short-Squeeze nach oben wahrscheinlicher als ein weiterer Rutsch.

Den Katalysator liefert der Kalender: das Fed-Meeting am 28. und 29. Juli. Ethereum bei 1.894 Dollar zeigt mit +9,7 Prozent auf 30-Tage-Sicht bereits relative Stärke gegenüber Bitcoin. Für kurzfristig orientierte Trader bleibt die 65.000 die Linie, an der sich alles entscheidet – darüber der Squeeze, darunter der nächste Rutsch.

Marschroute

Drei Marken bestimmen die kommenden Handelstage. Der Öl-Chart ist der Master-Trigger für alles andere: Bleibt Brent über 100 Dollar, bleibt auch der Zins-Gegenwind für Tech-Werte bestehen – die Inflationsentspannung ist damit erledigt. Beim Bankensektor zählt der 6. August: Commerzbank-Zahlen und UniCredit-Fahrplan entscheiden, ob die 50-Prozent-Schwelle real wird. Bitcoin hält seine 65.000 nur bedingt – über 66.738 Dollar winkt der Short-Squeeze, das Fed-Meeting am 28./29. Juli liefert den Auslöser. Und bei den Hyperscalern gilt: Der Cashflow-Bruch bei Alphabet und Tesla ist keine Ein-Tages-Geschichte, sondern der Anfang einer strukturellen Neubewertung des KI-Trades.

Gute Trades, Ihr Andreas Sommer