Ölpreis-Rally und Rekordzahlen spalten fünf Erneuerbare-Energien-Aktien

Der Iran-Konflikt treibt die Ölpreise und spaltet den grünen Sektor: Verbio profitiert direkt, während Siemens Energy trotz Rekordaufträgen Risiken trägt und ABO Energy um die Wende kämpft.

Siemens Energy Aktie
Kurz & knapp:
  • Siemens Energy verdreifacht Gewinn und meldet Rekordauftragsbestand
  • Verbio vervielfacht Prognose und profitiert von hohen Ölpreisen
  • ABO Energy ringt nach drastischer Gewinnwarnung um Sanierung
  • Nordex und Energiekontor zeigen Erholung mit soliden Fundamentaldaten

Der Iran-Konflikt treibt einen Keil durch den grünen Sektor. Während steigende Ölpreise Verbio regelrecht beflügeln, profitiert Siemens Energy von einem prall gefüllten Auftragsbuch — und ABO Energy ringt um die Wende nach einer schmerzhaften Gewinnwarnung. Fünf Aktien, fünf sehr unterschiedliche Geschichten.

Siemens Energy: Rekord-Auftragsbestand trifft auf Gamesa-Hoffnung

Siemens Energy startet mit beeindruckender Dynamik ins Geschäftsjahr 2026. Der Nettogewinn hat sich im ersten Quartal auf 746 Millionen Euro nahezu verdreifacht. Neuaufträge legten um 33 Prozent auf 17,6 Milliarden Euro zu, der gesamte Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 146 Milliarden Euro.

Zusätzlichen Schub liefert die Anfang April vorgestellte Cloud-Partnerschaft mit AWS. Beide Konzerne entwickeln gemeinsam Lösungen für die Energieversorgung von Rechenzentren — ein Markt, der mit dem KI-Boom explosionsartig wächst. Die Gasturbinen-Kapazitäten sind bis 2028 komplett ausgebucht, erste Buchungen reichen bereits bis 2030.

Die Aktie notiert bei rund 170 Euro — nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch. J.P. Morgan traut dem Papier sogar 200 Euro zu, während das durchschnittliche Analystenkursziel bei etwa 166 Euro liegt. Das KGV von gut 61 signalisiert allerdings: Der Markt hat viel Optimismus bereits eingepreist.

Ein Risikofaktor bleibt die Nahost-Abhängigkeit. Rund 35 Prozent des Gasturbinen-Auftragsvolumens entfallen auf die Region. Gleichzeitig hat die Siemens AG ihren Anteil von knapp 15 auf rund 5,5 Prozent reduziert — ein Schritt, der Anleger weiterhin beschäftigt. Im zweiten Halbjahr wird es zudem ernst für die Windkrafttochter Siemens Gamesa, die den operativen Breakeven erreichen soll. Die Q2-Zahlen am 12. Mai werden zeigen, ob dieser Meilenstein in Reichweite bleibt.

Nordex: Goldman hält an Kaufempfehlung fest

Nordex hat sich vom 52-Wochen-Tief bei gut 15 Euro auf mittlerweile über 45 Euro erholt — eine Verdreifachung in zwölf Monaten. Im Geschäftsjahr 2025 verdoppelte sich das operative Ergebnis auf 631 Millionen Euro, die EBITDA-Marge sprang von 4,1 auf 8,4 Prozent.

Der Q1-Auftragseingang fiel mit 1.869 Megawatt allerdings spürbar niedriger aus als die 2.182 MW im Vorjahreszeitraum. Goldman Sachs sieht darin keinen Grund zur Sorge und hält an der Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 49,60 Euro fest. Die Erwartungen seien erfüllt worden, die mittelfristigen Ziele erreichbar.

Für 2026 peilt das Management Erlöse von bis zu 9,0 Milliarden Euro an. Eine Premiere steht ebenfalls bevor: Ab 2027 will Nordex erstmals mindestens 50 Millionen Euro jährlich an Aktionäre ausschütten. Die Hauptversammlung am 5. Mai soll diese Politik bestätigen, wenige Tage nach der Quartalsmitteilung am 27. April.

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Bei einem KGV von rund 25 ist die Bewertung ambitioniert. Schwache Q1-Zahlen würde der Markt auf diesem Niveau kaum verzeihen.

Verbio: Geopolitik als Kurstreiber — EBITDA-Prognose vervielfacht

Keine andere Erneuerbare-Energien-Aktie profitiert derart unmittelbar vom Iran-Konflikt wie Verbio. Steigende Ölpreise machen Biokraftstoffe wirtschaftlich attraktiver, und genau dieser Mechanismus hat die Aktie seit Jahresanfang mehr als verdoppelt. Von rund 19 Euro Anfang Januar ging es zeitweise über 45 Euro — aktuell notiert das Papier bei knapp 40 Euro.

Die operative Unterfütterung ist beachtlich: Ende März hob Verbio die EBITDA-Prognose für das laufende Geschäftsjahr auf 100 bis 140 Millionen Euro an. Zum Vergleich — im verlustreichen Vorjahr standen gerade einmal 14 Millionen Euro zu Buche. Wesentlicher Treiber sind die kräftig gestiegenen THG-Quotenpreise in Deutschland, gestützt durch die schrittweise Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie RED III.

Die Analystenlandschaft zeigt ein geteiltes Bild:

  • Jefferies erhöhte das Kursziel von 21 auf 25 Euro, empfiehlt aber weiterhin nur „Halten“
  • Ein anderes Analystenhaus sieht die Aktie bei 50 Euro und rät zum Kauf
  • Das KGV für 2026 liegt bei über 80 — ein Niveau, das wenig Spielraum für Enttäuschungen lässt

Am 13. Mai legt Verbio den Q3-Bericht vor. Dann muss sich zeigen, ob die angehobene Prognose Substanz hat. Das größte Risiko liegt paradoxerweise in einer geopolitischen Entspannung: Fallende Ölpreise würden den zentralen Kurstreiber über Nacht eliminieren.

ABO Energy: Sanierungsfall vor entscheidendem Geschäftsbericht

Ganz anders die Lage bei ABO Energy. Die ehemals als ABO Wind firmierende Gesellschaft handelt bei 6,14 Euro — ein Minus von fast 50 Prozent auf Jahressicht und rund 87 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 46,80 Euro. Die Marktkapitalisierung ist auf unter 60 Millionen Euro geschrumpft.

Der Absturz geht auf eine drastische Gewinnwarnung vom November 2025 zurück. Statt eines zweistelligen Millionengewinns musste das Unternehmen einen Konzernjahresfehlbetrag von rund 95 Millionen Euro melden. Verzögerungen bei Windkraftprojekten und ein schwieriges Zinsumfeld hatten zu erheblichen Sonderabschreibungen geführt.

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Im März 2026 gab es einen Wechsel in der Geschäftsführung. Die Anleihegläubiger stützen den Sanierungskurs. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von nur 0,25 könnte auf eine Unterbewertung hindeuten — vorausgesetzt, die Rückkehr in die Gewinnzone gelingt. Für 2027 strebt das Management einen Nettogewinn von 50 Millionen Euro an.

Der nächste Katalysator steht bevor: Am 24. April veröffentlicht ABO Energy den Geschäftsbericht 2025. Bis dahin fehlt jegliche Analystenabdeckung. Dieser Termin dürfte darüber entscheiden, ob der Markt dem Sanierungsplan Vertrauen schenkt.

Energiekontor: Leise Trendwende nach dem Mehrjahrestief

Abseits der großen Schlagzeilen vollzieht Energiekontor eine charttechnische Wende. Von ihrem Tief bei 30,80 Euro hat sich die Aktie um mehr als 20 Prozent erholt und notiert bei knapp 39 Euro. Anfang April kreuzte der Kurs die 50-Tage-Linie nach oben — ein technisches Kaufsignal.

Fundamental liefert der Bremer Windpark-Projektierer solide Ergebnisse. Das Geschäftsjahr 2025 schloss am oberen Rand der angepassten Prognose mit einem Vorsteuerergebnis von 40,5 Millionen Euro. Die vorgeschlagene Dividende von 1,00 Euro je Aktie verdoppelt die Vorjahresausschüttung.

Der Eigenbestand an Wind- und Solarparks soll perspektivisch auf über 680 Megawatt wachsen. Allein 2026 kommen drei Projekte mit mehr als 120 Megawatt hinzu. Für das laufende Jahr erwartet das Management ein EBT zwischen 40 und 60 Millionen Euro — die breite Spanne spiegelt Unsicherheiten bei Genehmigungsverfahren in Deutschland und Großbritannien wider. Langfristig bleibt das Ziel von 120 Millionen Euro EBT im Jahr 2028 bestehen.

Mit einem KGV von gut 15 ist Energiekontor deutlich moderater bewertet als Siemens Energy oder Nordex. Die entscheidende Frage bleibt, ob die geplanten Projekte 2026 tatsächlich termingerecht abgerechnet werden können — Genehmigungsbürokratie war schon im Vorjahr der größte Bremsklotz.

Geopolitik als Scheidelinie im Sektor

Die aktuelle Aufstellung zeigt eine klare Zweiteilung:

  • Geopolitik-Profiteure: Verbio gewinnt direkt durch steigende Ölpreise, Nordex indirekt durch höhere Energiepreise bei gleichzeitig starkem operativem Geschäft
  • Geopolitik-Risiko: Siemens Energy bleibt durch die Nahost-Abhängigkeit verwundbar, trotz Rekordauftragslage
  • Strukturelle Baustellen: ABO Energy und Energiekontor kämpfen weniger mit geopolitischen Faktoren als mit Genehmigungsverzögerungen und — im Fall von ABO Energy — einer existenziellen Sanierung

Drei Termine für die nächsten Wochen

Die kommenden Wochen bringen gleich mehrere Bewährungsproben. ABO Energys Geschäftsbericht am 24. April öffnet den Reigen, gefolgt von Nordex‘ Quartalsmitteilung am 27. April und der Hauptversammlung am 5. Mai. Siemens Energy legt am 12. Mai Q2-Zahlen vor, Verbio folgt einen Tag später mit dem Q3-Bericht.

Für den gesamten Sektor gilt: Solange der Iran-Konflikt die Energiepreise hochhält, bleibt der Rückenwind intakt. Eine überraschende Deeskalation würde die Karten allerdings schnell neu mischen — und ausgerechnet den stärksten Performer Verbio am härtesten treffen.

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