Innerhalb von sieben Tagen hat die OHB-Aktie fast ein Viertel ihres Wertes verloren — und das, während der Konzern operativ so stark dasteht wie nie zuvor. Der Konflikt zwischen kurzfristigem Verkaufsdruck und langfristiger Substanz prägt gerade das Bild des Bremer Raumfahrtkonzerns.

Was bestätigt ist – und was nicht

Am Markt wird über einen möglichen Teilausstieg des Finanzinvestors KKR spekuliert, der rund 29 Prozent an OHB hält. Bestätigt ist davon nichts: OHB hat öffentlich mitgeteilt, Finanzierungsoptionen zu prüfen, dabei nicht unter Zeitdruck zu stehen und noch keine Entscheidung getroffen zu haben. KKR hat sich zu einem etwaigen Verkauf nicht geäußert. Angaben zu einem Umfang von rund 20 Prozentpunkten oder zu einer Frist sind nicht belegt und werden hier nicht als Tatsache wiedergegeben. Der Schlusskurs liegt bei 373 Euro, gut 46 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 688 Euro aus dem Mai. Die Gründerfamilie Fuchs bleibt mit 65 Prozent in der Kontrolle.

Rekordauftragsbestand trifft Satelliten-Meilenstein

Operativ läuft es. Zum Ende des ersten Quartals 2026 meldete OHB einen Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro — ein Plus von rund 45 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Segment Space Systems allein trägt 2,68 Milliarden Euro dazu bei, gestützt durch ESA-Programme und wachsende Verteidigungsbudgets.

Frisch dazu kommt ein Zuliefererauftrag der Tochter OHB Sweden: Der schwedische Raumfahrtzulieferer AAC Clyde Space erhält 7,6 Millionen Euro für Energie- und Datenmanagementsysteme — konkret 21 Einheiten zweier Subsystem-Typen für die EPS-Sterna-Satelliten. Das Projekt ist Teil eines im März gesicherten ESA-Großauftrags über 248 Millionen Euro. OHB Sweden baut als Hauptauftragnehmer 20 Kleinsatelliten; der erste Start ist für 2029 geplant.

Die Quartalszahlen bestätigen den Wachstumskurs: Die Gesamtleistung stieg um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das EBITDA erreichte 25,7 Millionen Euro.

Hauptversammlung und Raketenstart im Blick

Am Montag, 8. Juni, trifft sich OHB zur ordentlichen Hauptversammlung. Auf der Agenda steht eine vorgeschlagene Dividende von 0,60 Euro je Aktie sowie die Ermächtigung, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen von bis zu 1,2 Milliarden Euro Gesamtnennbetrag ausgeben zu dürfen.

Wenige Wochen später, am 1. Juli, plant die OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg den ersten Startversuch der Rakete RFA ONE. Gelingt der Start, wäre das ein weiterer Beweis, dass hinter der aktuellen Kursschwäche ein operativ intaktes Unternehmen steckt.