Eine Kapitalerhöhung sollte frisches Geld bringen. Bei OHB brachte sie stattdessen einen Kurssturz von mehr als 65 Prozent seit dem Mai-Hoch. Jetzt entscheidet eine einzige Charttechnik-Marke, ob die Aktie einen Boden findet oder weiter fällt.
Ausgangslage: Verwässerung trifft auf Kasseneinstieg
OHB beschloss Ende Juni eine Kapitalerhöhung mit bis zu 1,7 Millionen neuen Aktien. Der Platzierungspreis lag bei 300 Euro – rund ein Viertel unter dem damaligen Kurs. Die Familie Fuchs und der KKR-nahe Investor Orchid Lux HoldCo verzichteten auf ihre Bezugsrechte.
Am Freitag schloss die Aktie bei 240,00 Euro. Das liegt sogar unter dem Ausgabepreis der Kapitalerhöhung. Der Markt straft OHB damit härter ab, als es die reine Verwässerung von 8,86 Prozent des Grundkapitals erklären würde.
Die entscheidende Frage: Hält der 200-Tage-Schnitt?
Der Schlusskurs liegt nur 0,31 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 240,76 Euro. Beide Werte fallen praktisch zusammen. Das macht diese Linie zur Schlüsselmarke für die kommenden Wochen.
Der RSI steht bei 33,4 und signalisiert überverkaufte Bedingungen. Hält die 200-Tage-Linie, könnte daraus eine technische Gegenbewegung entstehen. Bricht der Kurs darunter, fehlt bis zum 52-Wochen-Tief von 64,00 Euro jede klare Unterstützung.
Bullisches Szenario: Frisches Kapital, stabile Mehrheiten
Für eine Stabilisierung spricht zunächst die geplante Mittelverwendung. OHB will das Geld in die Industrialisierung der Produktion, mögliche Zukäufe und Trägerraketen-Projekte stecken. Der Streubesitz wächst durch die Transaktion von 5,7 auf bis zu 19,2 Prozent – das könnte den Handel mit der Aktie langfristig erleichtern.
Die Machtverhältnisse bleiben unverändert. Die Familie Fuchs verkauft keine eigenen Aktien und hält weiter mehr als 60 Prozent der Anteile. Orchid Lux HoldCo behält den Großteil seiner Beteiligung.
Operativ bleibt OHB sichtbar. Verteidigungsminister Boris Pistorius besuchte das Unternehmen kürzlich, zudem kooperiert OHB mit MDA Space an Mondlandetechnik und mit Rheinmetall an einem Militärprojekt. Diese Nachfrage aus institutionellen und militärischen Programmen könnte die fundamentale Basis liefern, sobald der Verkaufsdruck aus der Kapitalerhöhung nachlässt.
Bärisches Szenario: Schwache Nachfrage, KKR-Ausstieg, Lock-up-Risiko
Das Bezugsrechtsangebot selbst liefert ein Warnsignal. Aktionäre übten Bezugsrechte für nur 7.635 neue Aktien aus. Der überwiegende Teil des Angebots verfiel wertlos – ein Hinweis auf schwache Nachfrage zum damaligen Preis von 300 Euro, den der aktuelle Kurs längst unterschreitet.
Hinzu kommt: Nicht das gesamte Geld floss ins Unternehmen. Rund 368 Millionen Euro gingen an KKR, der damit einen Teilausstieg realisierte. Ein solcher Verkauf durch einen Großinvestor wird am Markt oft als Signal für eine hoch empfundene Bewertung gelesen.
Zusätzlich laufen unterschiedliche Sperrfristen. OHB SE band sich für 180 Tage, Martello Value und Orchid Lux HoldCo für 90 Tage. FFS GmbH, VOLPAIA Beteiligungs-GmbH und der Vorstand verpflichteten sich für zwölf Monate. Läuft die kürzeste Frist aus, könnte zusätzliches Aktienangebot auf den Markt kommen und den fragilen Boden erneut testen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 80 Prozent zeigt: Kursausschläge in beide Richtungen bleiben jederzeit möglich.
Ausblick: Zwei Wege ab der 200-Tage-Marke
Verteidigt der Kurs die Zone um 240,76 Euro, spricht der überverkaufte RSI-Wert für eine mögliche Stabilisierung nach der heftigen Korrektur der vergangenen 30 Tage. Rutscht die Aktie nachhaltig darunter, fehlt der nächste Halt bis zum 52-Wochen-Tief bei 64,00 Euro. Angesichts der starken Performance seit Jahresbeginn erscheint ein Rückfall auf dieses Niveau aktuell aber nicht das wahrscheinlichste Szenario.
Der nächste konkrete Prüfstein ist der Geschäftsbericht zum dritten Quartal 2026. Er dürfte zeigen, wie sich der gestiegene Auftragsbestand operativ niederschlägt – und ob OHB die frischen Mittel bereits für erste Zukäufe im Zuge der Konsolidierung des europäischen Raumfahrtmarkts nutzt.
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