Boris Pistorius besuchte am 14. Juli die Werkhallen von OHB in Bremen. Der Verteidigungsminister lobte den Raumfahrtkonzern als Rückgrat der deutschen Sicherheit. An der Börse zählt dieses Lob derzeit herzlich wenig.

Operativ steht OHB glänzend da. Der Auftragsbestand erreicht einen Rekordwert von über 3,35 Milliarden Euro. Die Aktie notiert trotzdem bei 236,00 Euro – ein Minus von 40 Prozent binnen 30 Tagen.

Der Angebotsschock wirkt nach

Der Grund liegt nicht im All, sondern im Kapitalmarkt selbst. OHB hat eine umfangreiche Kapitalerhöhung abgeschlossen, um den Streubesitz zu vergrößern. Institutionelle Investoren zeichneten im Juni noch zu einem Preis von 300 Euro je Aktie.

Heute notiert der Kurs mit 236,00 Euro deutlich darunter. Der Markt hat den plötzlichen Angebotsschock neuer Aktien offenbar noch nicht verdaut. Vom 52-Wochen-Hoch bei 688,00 Euro, erreicht erst im Mai 2026, trennen das Papier inzwischen fast zwei Drittel.

Für alle, die im Frühjahr auf den Hype aufgesprungen sind, ist das ein harter Realitätscheck. Die zeitweise dreistellige Bewertung normalisiert sich gerade in brutalem Tempo.

Kampf an der 200-Tage-Linie

Charttechnisch steht OHB an einem Scheideweg. Der aktuelle Kurs liegt fast exakt auf dem 200-Tage-Durchschnitt von 237,52 Euro. Diese Marke gilt traditionell als wichtiger Trendindikator.

Der RSI von 31,5 nähert sich der überverkauften Zone. Reicht dieser Wert für eine echte Trendwende, oder handelt es sich nur um eine kurze Verschnaufpause? Die Antwort hängt auch davon ab, wie schnell institutionelle Käufer nach der Kapitalerhöhung wieder Vertrauen fassen. Historisch neigen stark überverkaufte Papiere zumindest zu kurzfristigen Gegenbewegungen.

Ein dauerhaftes Unterschreiten der 200-Tage-Linie könnte den Abwärtsdruck dagegen verstärken. Der Markt dürfte diese Marke in den kommenden Handelstagen genau beobachten.

Rekordauftrag trifft auf müde Anleger

Die langfristige Perspektive bleibt trotz allem intakt. Seit Jahresanfang steht bei OHB noch immer ein Plus von 94,24 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sogar von 233,33 Prozent.

Das Unternehmen bleibt tief in der europäischen Weltraumstrategie verankert. Von der Asteroiden-Abwehr RAMSES bis zum KI-Joint-Venture KIRK reicht die Projektliste. Kein Wunder, dass Pistorius bei seinem Besuch von einem nationalen Champion sprach.

Die aktuelle Schwäche ist weniger ein Urteil über die Zukunftschancen als der Preis für den Umbau der Aktionärsstruktur. Wer im Juni zu 300 Euro eingestiegen ist, sitzt vorerst auf Verlusten. Wer die Aktie schon vor einem Jahr hielt, blickt trotz der scharfen Korrektur auf einen satten Gewinn.