Die OHB SE ist zurück im SDAX. Seit Donnerstag, den 13. August 2026, ersetzt der Bremer Raumfahrtkonzern den Stahlhändler Klöckner & Co, der nach der Übernahme durch Worthington Steel von der Börse verschwindet. Am Mittwoch schloss die OHB-Aktie bei 260,00 Euro, ein Plus von 5,3 Prozent. Für Anleger stellt sich nun eine Frage: Reicht der Index-Effekt, um aus einem fragilen Aufwärtsversuch eine echte Trendwende zu machen?

Die entscheidende Marke

Die SDAX-Aufnahme zwingt Indexfonds zu Käufen und erhöht die Sichtbarkeit bei institutionellen Anlegern. Das ändert an der technischen Lage zunächst wenig. Die Aktie notiert weiterhin 62 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro.

Entscheidend wird, ob OHB den 200-Tage-Durchschnitt bei 249,65 Euro halten kann. Aktuell liegt der Kurs mit 4,1 Prozent Abstand knapp darüber. Fällt die Aktie darunter, droht der Blick der Anleger sich wieder auf das 52-Wochen-Tief bei 64,00 Euro zu richten.

Bullisches Szenario: Raum nach oben

Für eine Fortsetzung der Erholung spricht die technische Ausgangslage. Der RSI liegt bei 50,3 und damit im neutralen Bereich. Das Papier ist weder überkauft noch überverkauft — theoretisch bleibt Raum für weitere Anstiege, ohne dass sofort Gegenreaktionen drohen.

Auf Sicht von zwölf Monaten steht die Aktie trotz der jüngsten Korrektur noch immer 283 Prozent im Plus. Die Korrektur der vergangenen Monate hat den Titel fundamental entlüftet. Sollte die höhere Liquidität durch den SDAX-Status auf Anleger treffen, die abseits kriselnder Industriezweige nach Wachstumswerten suchen, könnte OHB von seiner Rolle als europäischer Raumfahrt-Spezialist profitieren. Ein stabiler Kurs oberhalb des 200-Tage-Durchschnitts könnte zusätzlich chartorientierte Käufer anziehen.

Bärisches Szenario: Volatilität bleibt hoch

Dem optimistischen Blick steht erhebliche Unsicherheit gegenüber. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 58 Prozent — ein hoher Wert, der auf starke Kursschwankungen in beide Richtungen hindeutet. Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 298,62 Euro, mit 13 Prozent Abstand zum aktuellen Kurs bleibt der kurzfristige Trend belastet.

Hinzu kommt ein strukturelles Risiko. Creditreform meldet für Deutschland aktuell einen Höchststand bei Firmeninsolvenzen. Die Raumfahrtbranche gilt zwar als staatsnah und arbeitet in langen Projektzyklen, ein Übergreifen der Konjunkturschwäche auf öffentliche Haushalte könnte Budgetkürzungen bei Weltraumprogrammen nach sich ziehen. Verpufft der SDAX-Effekt, droht ein Rückfall unter die 250-Euro-Marke.

Ausblick: Zwei Marken im Blick

Solange OHB die Unterstützung bei 249,65 Euro verteidigt, spricht die technische Lage für einen Test der nächsten Widerstandszone um 298,62 Euro. Ein nachhaltiges Wendesignal entsteht nach dieser Lesart erst, wenn der Kurs diese Marke deutlich überschreitet.

Als nächsten Katalysator sollten Marktteilnehmer neue Großaufträge und die Quartalszahlen im Herbst 2026 im Blick behalten. Sie werden zeigen, ob OHB die hohen Erwartungen hinter dem kräftigen Zwölf-Monats-Anstieg operativ untermauern kann. Rutscht der Kurs dagegen unter den 200-Tage-Durchschnitt, dürfte das 52-Wochen-Tief bei 64,00 Euro wieder stärker in den Fokus rücken.