Oddo BHF hat die Coverage für OHB SE Ende August neu aufgenommen – mit dem Rating „Outperform“ und einem Kursziel von 290 Euro. Die Einschätzung datiert vor gut einer Woche und markiert damit die jüngste externe Stimme zu dem Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzern, dessen Aktie zuletzt kräftig unter Druck geriet.
Kursziel deutlich über aktuellem Niveau
Das von Oddo BHF ausgegebene Kursziel liegt weit über dem Schlusskurs vom Freitag von 186,00 Euro. Zwischen Einschätzung und Kurs klafft damit eine erhebliche Lücke – ein Signal, dass die Analysten das operative Potenzial von OHB deutlich höher einschätzen als der Markt es derzeit einpreist.
Die Aktie hatte im laufenden Jahr zunächst eine bemerkenswerte Rally hingelegt, ist von ihrem 52-Wochen-Hoch bei 688,00 Euro vom 21. Mai 2026 inzwischen aber weit entfernt. Der Abstand zum Hoch beträgt 73 Prozent.
Der jüngste Kursverlauf zeigt die Nervosität rund um den Titel deutlich. Binnen 30 Tagen verlor die Aktie 27 Prozent an Wert, während sie auf Jahressicht mit einem Plus von 59 Prozent noch immer klar im positiven Bereich notiert. Diese Gegensätzlichkeit spiegelt eine Aktie wider, die nach einem fulminanten Anstieg nun eine deutliche Korrektur durchläuft – trotz einer Reihe positiver operativer Nachrichten.
Auftragslage bleibt robust
Zu diesen zählt der milliardenschwere Vertrag mit SES, den OHB am vergangenen Dienstag unterzeichnet hat. Er umfasst die Entwicklung und Produktion von 18 Satellitenplattformen für das europäische Kommunikationssystem IRIS² und hat ein Volumen von rund einer Milliarde Euro. Seit Bekanntwerden legte die Aktie um 1,6 Prozent zu – ein moderater Kursimpuls angesichts der Größenordnung des Auftrags.
Auch der PRISMA-Auftrag, den OHB vor rund einem Monat erhalten hatte, konnte den Abwärtstrend nicht stoppen: Seither gab der Kurs um 19,1 Prozent nach. Die Aufnahme in den SDAX vor gut drei Wochen brachte ebenfalls keine Stabilisierung, die Aktie büßte seither 28,2 Prozent ein.
Diese Diskrepanz zwischen operativen Erfolgen und Kursentwicklung wirft die Frage auf, ob der Markt die Auftragsflut bereits vorweggenommen hatte, bevor sie tatsächlich eintraf. Oddo BHF scheint mit seinem Rating genau darauf zu setzen: Die Analysten bewerten das fundamentale Bild trotz der jüngsten Kursschwäche als intakt.
Technisches Bild bleibt angeschlagen
Die technischen Indikatoren untermauern das Bild einer Aktie im Korrekturmodus. Mit einem RSI von 35,2 nähert sich der Titel der überverkauften Zone, während der Kurs mit 23 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 28 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt notiert. Die annualisierte Volatilität von 77 Prozent auf Sicht von 30 Tagen zeigt, wie stark die Schwankungsbreite bei OHB derzeit ausfällt.
Anleger richten den Blick nun auf den 12. November, wenn OHB die Zahlen zum dritten Quartal 2026 vorlegt. Erst dann dürfte sich zeigen, ob sich die milliardenschweren Aufträge der vergangenen Wochen bereits in Umsatz und Ergebnis niederschlagen – und ob das optimistische Kursziel von Oddo BHF gerechtfertigt ist.
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