Ein Kurssprung von 5,9 Prozent am Freitag hat die Aktie von OHB wieder in den Fokus gerückt. Auslöser der Aufwärtsbewegung auf 180,00 Euro war eine Studie von Deutsche Bank Research. Nach einer Investorenveranstaltung hob das Analysehaus das Kursziel für das Bremer Raumfahrtunternehmen von 275 auf 300 Euro an und bekräftigte die Einstufung mit „Buy“.
Für mich markiert dieses Votum einen bemerkenswerten Wendepunkt im Sentiment: Die Experten werten die vorangegangene Kursschwäche explizit als Einstiegsgelegenheit und verweisen auf eine unterschätzte Wachstumsdynamik sowie erhebliches mittelfristiges Auftragspotenzial.
Analysten sehen deutliche Unterbewertung
Das Signal der Deutschen Bank steht nicht isoliert da. Am selben Tag bestätigte Berenberg die Kaufempfehlung für OHB und bezifferte das Kursziel sogar auf 358 Euro. Berenberg stuft das Papier zudem als Top-Pick im Segment für Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung ein. Beide Häuser trauen dem MDAX-nahen Raumfahrtkonzern damit Kurse zu, die weit über dem aktuellen Bewertungsniveau liegen.
Aus meiner Sicht spricht vieles dafür, dass der Markt die operative Perspektive des Satellitenbauers zuletzt zu zögerlich eingepreist hat. Zwar notiert der Titel mit 180,00 Euro noch immer rund 74 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, das im Mai markiert wurde.
Doch die fundamentale Basis hat sich keineswegs eingetrübt. Im Gegenteil: Die Kombination aus prall gefüllten europäischen Raumfahrtbudgets und einer zunehmenden strategischen Bedeutung der orbitalen Infrastruktur spielt OHB direkt in die Karten.
Dass die europäische Raumfahrtindustrie vor gewaltigen Investitionszyklen steht, belegen die jüngsten Weichenstellungen für das europäische Satellitennetzwerk IRIS². OHB sicherte sich in diesem Rahmen einen Auftrag im Volumen von knapp einer Milliarde Euro zur Entwicklung und Fertigung von 18 Satellitenplattformen.
Ein derartiges Volumen schafft Visibilität über Jahre hinaus und stützt die These der Analysten, dass das mittelfristige Potenzial von Anlegern bislang unterschätzt wird.
Höhere Sichtbarkeit durch TecDAX-Rückkehr
Rückenwind erhält die Aktie auch von struktureller Seite. Mit Wirkung zum 21. September kehrte OHB in den TecDAX zurück und ersetzte dort das IT-Systemhaus Cancom. Die Unternehmensführung verspricht sich von der Wiederaufnahme in den Auswahlindex zu Recht eine gesteigerte Wahrnehmung bei nationalen und internationalen Investoren sowie eine verbesserte Liquidität im täglichen Handel.
Gleichzeitig bleibt die Aktionärsstruktur stabil geordnet. Die Gründerfamilie Fuchs hält unverändert die Mehrheit an den Bremern. Der Finanzinvestor KKR, der seit 2023 über die Orchid Lux HoldCo S.à r.l. als Minderheitsaktionär an Bord ist, agierte bei der Kapitalerhöhung im Juni als Verkäufer von Bestandsaktien und reduzierte seinen Anteil laut dem Halbjahresbericht vom 6. August auf rund 20 Prozent. Damit floss das neue Eigenkapital von frischen Investoren zu, was die institutionelle Basis des Konzerns verbreitert hat.
Wertendes Fazit für Anleger
Unterm Strich überwiegen bei OHB derzeit die Chancen. Die Kursziele der beiden Analysehäuser von 300 und 358 Euro spiegeln ein fundamentales Vertrauen wider, das durch reale Großaufträge und den Eintritt in den TecDAX untermauert wird. Das kräftige Plus am Freitag dürfte daher mehr sein als nur eine technische Gegenbewegung: Es deutet auf eine Neubewertung hin, bei der der Markt den Auftragsbestand und die strategische Sonderstellung der Bremer wieder stärker honoriert.
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