OHB SE hat am 6. August Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt, die das operative Fundament hinter der jüngsten Neubewertung des Bremer Raumfahrtkonzerns untermauern.
Der Gesamtumsatz stieg im Jahresvergleich um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro zu. Damit wuchs die Profitabilität deutlich schneller als der Umsatz – ein Signal, dass sich das Wachstum nicht nur über den Umsatz, sondern auch über die Marge trägt.
Auftragsbestand und Eigenkapital ziehen kräftig an
Der Auftragsbestand kletterte auf 3.304 Millionen Euro, nach 3.067 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Den größten Anteil daran hält weiterhin das Segment Space Systems mit 2.566 Millionen Euro, gefolgt von Access to Space mit 440 Millionen Euro und Digital mit 298 Millionen Euro.
Diese Verteilung zeigt, wie stark die klassischen Raumfahrtsysteme das Geschäft weiterhin dominieren, während die jüngeren Digital-Aktivitäten noch einen kleineren, aber wachsenden Beitrag leisten.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Eigenkapitalquote: Sie sprang von 27,5 Prozent zum Jahresende 2025 auf 43,3 Prozent zur Jahresmitte 2026. Dieser Sprung geht maßgeblich auf die im Sommer aufgestockte Privatplatzierung zurück, aus der beide Tranchen zusammen Bruttoerlöse von 484 Millionen Euro einbrachten.
Die Kapitalerhöhung hat damit die Bilanzstruktur spürbar gestärkt und dem Unternehmen finanziellen Spielraum für die weitere Auftragsabarbeitung verschafft.
Guidance bestätigt, Wachstumstreiber bleiben intakt
Das Management bestätigte zugleich die Jahresprognose: 1.400 Millionen Euro Gesamtleistung und eine bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent sollen 2026 erreicht werden.
Diese Bestätigung fällt in eine Phase, in der OHB mehrere strategisch bedeutsame Projekte vorantreibt. Ende Juli erhielt die italienische Tochter OHB Italia den Auftrag für die zweite Generation der PRISMA-Mission zur hyperspektralen Erdbeobachtung, die bis Ende 2031 laufen soll.
Auf der Verteidigungsseite hat OHB gemeinsam mit Rheinmetall im Juni das Gemeinschaftsunternehmen „OHB Rheinmetall Space Networks GmbH“ mit Sitz in Bremen gegründet.
Ziel ist eine geschützte Kommunikationsarchitektur für die Bundeswehr im Rahmen des Programms SATCOMBw Stufe 4. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte das Unternehmen im Juli persönlich – ein Zeichen für die politische Relevanz, die OHB im Bereich der militärischen Satellitenkommunikation inzwischen genießt.
Parallel dazu kooperiert OHB Digital Connect mit Schwarz Digits im Bereich Künstliche Intelligenz für die Satellitenfertigung und meldete Ende Juni den erfolgreichen Abschluss der Regeneration militärischer Bodenstationen.
Kursreaktion bleibt verhalten
Trotz der soliden operativen Entwicklung zeigte sich die Aktie zuletzt zurückhaltend. Am Freitag schloss das Papier bei 257,00 Euro, ein Minus von 1,0 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von sieben Handelstagen steht dennoch ein Plus von 10 Prozent zu Buche, während der Titel gegenüber seinem 50-Tage-Durchschnitt von 293,25 Euro um 12 Prozent zurückliegt.
Die Diskrepanz zwischen starken operativen Zahlen und der jüngsten Kursschwäche deutet darauf hin, dass Anleger nach der kräftigen Rally der vergangenen Monate zunächst Bewertungsfragen in den Vordergrund stellen, bevor sie neue Kaufimpulse setzen.
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