Mehr als eine Verdopplung traut das Analysehaus Berenberg den Papieren von OHB zu. Analyst Chris Armstrong stufte die Aktie am Montag mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 358 Euro ein. Medienberichten zufolge zählt Armstrong den Bremer Raumfahrtkonzern sogar zu den sechs aussichtsreichsten Titeln in Europa.
Bei einer Notierung von aktuell 170,80 Euro wirkt eine derart ambitionierte Zielmarke auf den ersten Blick gewagt. Doch aus meiner Sicht liefert die fundamentale Gemengelage handfeste Argumente für diesen Optimismus.
Die Zuversicht speist sich dabei nicht aus vagen Branchentrends, sondern aus greifbaren Projektfortschritten. Die Bewertungslücke an der Börse spiegelt die operative Realität des Konzerns derzeit nur unzureichend wider.
Operative Meilensteine stützen den Kurs
Für die Neubewertung sprechen konkrete Erfolge im Projektgeschäft. Am 1. Oktober meldete die italienische Raumfahrtagentur ASI den erfolgreichen Ausbau der EAGLET-II-Konstellation für das Erdbeobachtungsprogramm IRIDE.
Die von der Unternehmenstochter OHB Italia entworfene und integrierte Konstellation umfasst nach dem Start der letzten acht Trabanten nun planmäßig 24 Satelliten. Dieser Abschluss belegt die industrielle Lieferfähigkeit der Gruppe bei komplexen Raumfahrtinfrastrukturen.
Parallel dazu treibt der Konzern seine strategischen Beteiligungen voran. Vor rund zwei Wochen übernahm Alexander Dahm den Vorstandsvorsitz bei der Rocket Factory Augsburg. Dahm folgt auf Prof. Dr. Indulis Kalnins und soll die Weiterentwicklung sowie den Erstflug der Trägerrakete RFA ONE steuern. Diese personelle Weichenstellung unterstreicht den Anspruch, sich künftig im lukrativen Markt für Mikrolauncher zu behaupten.
Klare Strukturen und anstehende Zahlen
Für Verlässlichkeit sorgt zudem das Aktionariat. Die Gründerfamilie Fuchs hält weiterhin die Mehrheit an OHB. Der Finanzinvestor KKR agiert über die Orchid Lux HoldCo S.à r.l. lediglich als Minderheitsgesellschafter.
Bei der Kapitalerhöhung im Juni 2026 trat KKR als Verkäufer von Bestandsaktien auf und reduzierte seine Beteiligung laut Halbjahresbericht vom 6. August 2026 auf rund 20 Prozent. Damit sind die Besitzverhältnisse geordnet, während frische Mittel von neuen Investoren zuflossen.
Der nächste Härtetest für das operative Momentum folgt in wenigen Wochen. Am 12. November 2026 legt der Vorstand seinen Quartalsfinanzbericht für das dritte Jahresviertel vor. Diese Zwischenbilanz dürfte zeigen, wie sich die jüngsten Auslieferungen in Umsatz und Ertragskraft niedergeschlagen haben.
Trotz einer Erholung in den vergangenen Monaten bleibt der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro mit 75 Prozent beträchtlich. Diese erhebliche Differenz verdeutlicht, wie viel Vertrauen der Titel nach den Turbulenzen des Frühsommers noch zurückgewinnen muss.
Chancen überwiegen das Restrisiko
Unterm Strich spricht vieles dafür, dass der Markt die Ertragschancen von OHB zu vorsichtig einpreist. Das von Berenberg ausgerufene Ziel mag hoch erscheinen, doch die Kombination aus funktionierenden Satellitenprogrammen und personell gestärkten Zukunftsprojekten liefert ein tragfähiges Fundament. Wer als Anleger die unvermeidlichen Schwankungen im Projektgeschäft aushält, findet bei den Bremern ein Unternehmen mit intaktem Wachstumspfad.
Stand heute, 15. Oktober: OHB SE – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in OHB SE investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 15. Oktober gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.

