OMV bekommt vor den Quartalszahlen Rückenwind von einer Analystenstimme. Berenberg-Analyst Henry Tarr traut dem Konzern eine Überraschung nach oben zu. Der Grund liegt nicht im Ölgeschäft, sondern in der Chemiesparte.
Am Freitag bestätigte die Berenberg Bank ihre Einstufung „Hold“ mit einem Kursziel von 55,00 Euro. Tarr rechnet damit, dass OMV bei den bevorstehenden Zahlen zum zweiten Quartal die Konsensschätzungen übertrifft. Für das Gesamtjahr 2026 kalkuliert Berenberg mit einem Gewinn je Aktie von 7,70 Euro.
Margen aus der Chemie stützen das Geschäft
Treiber der positiven Einschätzung sind die starken Margen im Bereich „Chemie & Rohstoffe“. Die Rohölpreise bleiben volatil. Die Transformation zum integrierten Chemieunternehmen zeigt trotzdem Wirkung.
Diese Entwicklung bekommt durch aktuelle Berichte zusätzliches Gewicht. „Borouge International“ hat seinen Hauptsitz offiziell in Wien verankert. Der Polyolefin-Konzern entstand aus dem Zusammenschluss von Borealis, Borouge und Nova Chemicals.
OMV hält an dem neuen Riesen 50 Prozent, der Partner ADNOC über seinen Investmentarm XRG die andere Hälfte. Damit verschiebt sich das Gewicht des Konzerns spürbar weg vom klassischen Öl- und Gasgeschäft. Marktbeobachter werten die Ansiedlung des operativen Hubs in Wien als industriepolitisch bedeutsam.
Geothermie-Projekt in Graz nimmt Fahrt auf
Neben der Chemie-Offensive baut OMV auch erneuerbare Energien aus. Zusammen mit Energie Steiermark startete der Konzern zu Wochenbeginn das Projekt „Tiefenkraft“. Die Partner wollen in der Region Graz bis 2037 ein Potenzial von bis zu 670 GWh Tiefengeothermie pro Jahr erschließen.
Die seismischen Untersuchungen sind bereits abgeschlossen. Noch im Jahr 2026 soll eine Explorationsbohrung folgen. Das Projekt zeigt, wie OMV seine Bohrtechnik-Expertise für die Energiewende in Österreich nutzt.
Kurs erholt sich deutlich vom Herbsttief
Die OMV-Aktie schloss am Freitag bei 57,20 Euro, ein Plus von 0,79 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Zuwachs von 6,72 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn hat der Titel bereits 18,23 Prozent zugelegt.
Der Blick auf die vergangenen 30 Tage zeigt allerdings auch eine Kehrseite: Hier steht ein Minus von 10,42 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 64,40 Euro, erreicht Mitte Mai, ist die Aktie noch gut elf Prozent entfernt. Zum 52-Wochen-Tief bei 43,42 Euro aus dem Oktober hat sich der Kurs dagegen um rund 32 Prozent abgesetzt.
Der RSI von 49,6 signalisiert derzeit keine überkaufte oder überverkaufte Lage. Die annualisierte Volatilität von gut 36 Prozent zeigt aber, wie schwankungsanfällig das Papier bleibt.
Im Juli richtet sich der Blick zunächst auf ein Trading Update zum abgelaufenen Quartal. Gegen Monatsende soll der detaillierte Quartalsbericht folgen. Er wird zeigen, ob die stabilen Chemiemargen die schwankenden Erträge aus dem Energiegeschäft tatsächlich ausgleichen können.
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