Der österreichische Energie- und Chemiekonzern OMV blickt auf ein erfolgreiches zweites Quartal zurück, das von einer massiven Gewinnsteigerung und strategischen Fortschritten geprägt war. Vor allem die Entwicklung im Chemiesektor und die Einbindung neuer Geschäftsteile stützten das Ergebnis maßgeblich. Während das Unternehmen seine operativen Ziele im operativen Geschäft erreicht, treibt das Management gleichzeitig den Umbau hin zu nachhaltigen Energieträgern sowie die Sicherung der Erdgasversorgung voran.
Starke Zahlen durch Chemie-Zukauf und Raffineriemargen
Das operative Ergebnis im Bereich Chemicals kletterte im zweiten Quartal auf 429 Millionen Euro. Ein wesentlicher Faktor für diesen Anstieg war die erstmalige Vollkonsolidierung von Borouge International, einem Joint Venture mit ADNOC und XRG. Auch insgesamt präsentierte sich die Ertragslage deutlich verbessert: OMV wies für das zweite Quartal einen den Aktionären zuzurechnenden CCS-Periodenüberschuss vor Sondereffekten von 929 Millionen Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, in dem dieser Wert noch bei 432 Millionen Euro gelegen hatte, entspricht dies mehr als einer Verdopplung. Das CCS-Ergebnis je Aktie stieg korrespondierend auf 2,85 Euro an.
Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch im Kursverlauf wider. Seit Jahresbeginn konnte die Aktie um 34,18 Prozent zulegen und unterstreicht damit das Vertrauen der Anleger in die aktuelle Geschäftsführung und die Marktlage im Raffinerie- und Chemiesektor. Mit einem Schlusskurs von 63,40 Euro am gestrigen Mittwoch notiert das Papier nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch, das bei 64,95 Euro liegt.
Fortschritte bei Gasprojekt und Wasserstoff-Infrastruktur
Neben den Finanzkennzahlen standen operative Meilensteine im Fokus. Die rumänische Tochtergesellschaft OMV Petrom berichtete am vergangenen Donnerstag über wichtige Fortschritte beim Projekt „Neptun Deep“ im Schwarzen Meer. Dort wurde die Offshore-Produktionsplattform erfolgreich installiert, was einen zentralen Schritt für die künftige Erdgasförderung in der Region darstellt. Das Projekt gilt als strategisch wichtig, um die Energieunabhängigkeit in Südosteuropa zu stärken.
Parallel dazu treibt der Konzern die Dekarbonisierung voran. Für den Bau einer 140-MW-Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff sicherte sich OMV ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 450 Millionen Euro. Auch im Bereich der Erneuerbaren Energien in der Heimatregion wurden neue Wege beschritten: Gemeinsam mit der Energie Steiermark plant OMV, die Tiefengeothermie im Raum Graz zu erschließen. Ziel ist es, jährlich bis zu 670 Gigawattstunden Wärme zu gewinnen und damit einen Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung zu leisten.
Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial
Die jüngsten Ergebnisse und die strategische Ausrichtung lösten unterschiedliche Reaktionen in den Analysehäusern aus. Am Montag hob Barclays das Kursziel für die OMV-Aktie von 55,00 Euro auf 57,00 Euro an. Die Experten verwiesen zur Begründung auf die überdurchschnittliche Performance im Chemiesektor sowie die weiterhin starken Margen im Raffineriegeschäft. Dennoch liegt dieses neue Kursziel weiterhin deutlich unter dem aktuellen Marktniveau von über 63 Euro.
Am vergangenen Freitag, unmittelbar nach der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen, äußerte sich zudem RBC Capital Markets. Die Investmentbank stufte die Aktie mit dem Rating „Underperform“ ein. Trotz dieser vorsichtigen Einschätzungen notiert die Aktie aktuell nur 2,39 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Investoren blicken nun auf den Herbst: Am 9. Oktober plant das Unternehmen die Veröffentlichung des Trading Updates für das dritte Quartal, gefolgt vom vollständigen Zwischenbericht für die ersten neun Monate am 29. Oktober.
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