Am Donnerstag erhielten OMV-Aktionäre ihre Dividende für 2025 — insgesamt 4,40 Euro je Aktie. Einen Tag später drückt gleich eine Kombination aus Investorenkritik und fallenden Ölpreisen auf die Stimmung.

Deka fordert Ausgleich für Borouge-Ausfall

Fondsgesellschaft Deka Investment übt scharfe Kritik an OMVs Dividendenpolitik und den Vorstandsboni. Kern des Streits: Das Chemie-Joint-Venture Borouge International schüttet weniger aus als geplant. OMV erwartet deshalb für das laufende Jahr eine Dividendenkürzung von 0,60 bis 0,70 Euro je Aktie.

Deka verlangt Kompensation — entweder durch eine Sonderdividende oder eine höhere Ausschüttungsquote. Den geplanten Vorstandsboni verweigerte die Fondsgesellschaft bereits die Zustimmung. Die Forderung: eine nachhaltige Balance zwischen Aktionärsrendite und Managementvergütung.

Ab 2027 gilt eine neue Dividendenformel. Sie kombiniert 50 Prozent der OMV zurechenbaren Borouge-Dividenden mit 20 bis 30 Prozent des operativen Cashflows aus dem übrigen Geschäft. Ob das Deka zufriedenstellt, bleibt offen.

Trumps Iran-Schwenk drückt Ölpreise

Parallel belastet der Rohstoffmarkt die Energiebranche. Brent-Rohöl fiel am Freitag um knapp zwei Prozent auf rund 88,65 US-Dollar je Barrel. Auslöser: US-Präsident Donald Trump sagte geplante Angriffe auf den Iran ab und deutete ein Friedensabkommen an.

Die Deeskalation mindert die Sorge vor Engpässen an der Straße von Hormus — und damit den Risikoaufschlag im Ölpreis. Noch am 10. Juni hatte der Preis nach scharfen Trump-Aussagen zugelegt. OMV hatte im Februar seine Brent-Prognose auf 85 bis 95 US-Dollar angehoben, genau wegen dieser Hormus-Risiken.

Führungswechsel und Großprojekte

Am 11. Juni schloss die OMV-Aktie bei 57,85 Euro. Das ist solide, aber kein Signal der Stärke in diesem Umfeld.

Ab September übernimmt Emma Delaney den Vorstandsvorsitz — als erste Frau in dieser Rolle. Im Mai startete OMV Petrom gemeinsam mit Romgaz den Bau einer Pipeline für das Neptun-Deep-Projekt im Schwarzen Meer. Ab 2027 soll es jährlich acht Milliarden Kubikmeter Erdgas liefern.

Das Projekt ist strategisch wichtig. Es zeigt, wohin OMV investiert: in Gasinfrastruktur, nicht nur in Ausschüttungen. Genau das ist der Kern des Konflikts mit Deka — und der dürfte die Hauptversammlung noch eine Weile beschäftigen.