Ein Übernahmedeal über 875,8 Millionen Dollar, ein CEO, der Aktien im Wert von knapp 32 Millionen Dollar verkauft, und Leerverkäufer, die fast ein Drittel des Streubesitzes shorten. Bei Ondas Holdings prallen diese Kräfte gerade heftig aufeinander.

Der Aktienkurs schloss am Freitag bei 6,37 Euro, ein Tagesverlust von 4,93 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Minus von 4,21 Prozent, auf Monatssicht ein Rückgang von 21,07 Prozent. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 32,16 Prozent verloren.

Milliardendeal für die Drohnenabwehr

Im Zentrum der Entwicklung steht die Übernahme von DZYNE Technologies. Ondas zahlt dafür eine Kombination aus Cash und Aktien. Aus dem Deal entsteht die neue Sparte „Ondas Sentinel“, die DZYNEs Portfolio mit World View zusammenführt.

Das Ergebnis: eine breite Palette an Aufklärungs- und Überwachungstechnik. DZYNE bringt die Langstrecken-Plattform ULTRA sowie den Abfangjäger IonStrike gegen Drohnen mit ein. Nach Unternehmensangaben arbeitet DZYNE bereits profitabel und setzt jährlich rund 200 Millionen Dollar um.

Eine zusätzliche strategische Ebene liefert die KI-Plattform SkyWeaver, die auf Technologie von Palantir zurückgreift. Damit positioniert sich Ondas als Anbieter kompletter Aufklärungssysteme statt einzelner Drohnen-Komponenten.

Leerverkäufer wittern ihre Chance

Trotz der strategischen Erweiterung fehlt der Aktie der Schwung. Der Kurs notiert aktuell 21,98 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 8,16 Euro und 18,96 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 7,86 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch bei 13,02 Euro trennen die Aktie mittlerweile 51,08 Prozent.

Parallel dazu bauen Leerverkäufer ihre Wetten massiv aus. Der Anteil der Shortpositionen am Streubesitz kletterte auf 34,89 Prozent, ein Anstieg von fast 18 Prozent gegenüber dem Vormonat. Bei 197,58 Millionen Aktien im Short-Bestand liegt die „Days to Cover“-Quote bei etwa 3,05 Tagen.

Der 14-Tage-RSI von 36,6 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert. Genau solche Konstellationen ziehen häufig antizyklische Investoren an, die auf eine Gegenbewegung setzen.

Institutionen kaufen, der CEO verkauft

Die Signale aus dem Markt bleiben widersprüchlich. Nach Bekanntwerden der Übernahme haben 256 Institutionen ihre Positionen aufgestockt. Große Namen wie Citadel und Jane Street reduzierten ihr Engagement dagegen.

Für zusätzliche Nervosität sorgt CEO Eric Brock. Er verkaufte 2,38 Millionen Aktien für rund 31,94 Millionen Dollar. Solche Verkäufe durch Führungskräfte werten Privatanleger oft als Warnsignal für einen nahenden Bewertungshöhepunkt, auch wenn sie über strukturierte Handelspläne abgewickelt werden.

Die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei 3,64 Milliarden Euro. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 273,39 Prozent zu Buche, ein Beleg dafür, wie stark die Aktie zuvor gelaufen war, bevor die aktuelle Korrektur einsetzte.

Die kommende Woche wird zum Test

Mehrere Faktoren dürften den Kurs in den nächsten Tagen bewegen. Bei Ondas Sentinel übernimmt Ryan Hartman als CEO, Matt McCue wird CTO. Wie reibungslos diese Führungsstruktur die Integration von DZYNE vorantreibt, wird der Markt genau beobachten.

Hinzu kommen die US-Inflationsdaten CPI und PPI, die Mitte Juli veröffentlicht werden. Sie dürften die Zinserwartungen und damit die Kapitalflüsse in wachstumsstarke Tech- und Verteidigungswerte beeinflussen. Aus dem Verteidigungssektor kommen zudem positive Signale: Nach großen Pentagon-Drohnenaufträgen und internationalen Verträgen wie dem 5,7-Millionen-Dollar-Deal für EOS in Australien muss Ondas nun zeigen, ob sich die eigenen Quartalsaufträge von 110 Millionen Dollar in reale Umsätze verwandeln lassen.