21.000 Stellen gestrichen, negative freie Mittelzuflüsse, eine Schuldenlast auf Rekordniveau — und trotzdem soll nächstes Jahr noch mehr investiert werden. Oracles Jahresbericht hat Anleger am Dienstag kalt erwischt. Die Aktie verliert rund 3,5 Prozent auf 148,20 Euro.
Der Rückgang ist kein Ausreißer. Seit Jahresbeginn hat das Papier bereits mehr als 11 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,70 Euro ist die Aktie fast 47 Prozent entfernt.
Massiver Stellenabbau als KI-Folge
Oracle hat im Geschäftsjahr 2026, das am 31. Mai endete, rund 13 Prozent seiner Belegschaft abgebaut. Die Mitarbeiterzahl sank von 162.000 auf 141.000. Das Unternehmen begründet den Abbau explizit mit dem Einsatz von KI-Technologien im eigenen Betrieb — und schließt weitere Kürzungen nicht aus.
Die Kosten dafür waren erheblich. Abfindungen und Restrukturierungsaufwendungen summierten sich auf 1,84 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte Oracle dafür lediglich 374 Millionen Dollar ausgegeben. Besonders hart traf es Indien, wo mehr als 12.000 Stellen wegfielen.
Kapitalausgaben auf neuem Niveau
Der eigentliche Schock steckt in der Bilanz. Oracle meldete zwar einen Rekordumsatz von 67,4 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2026. Gleichzeitig wies das Unternehmen einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar aus — direkte Folge der massiven Investitionen in Cloud- und KI-Infrastruktur.
Die Investitionsausgaben kletterten auf 55,7 Milliarden Dollar, nach 21,2 Milliarden im Vorjahr. Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Netto-Investitionen von rund 70 Milliarden Dollar. Die Brutto-Ausgaben könnten sogar zwischen 90 und 95 Milliarden Dollar liegen.
Schulden wachsen, Finanzierung wird komplexer
Um die Expansion zu stemmen, will Oracle im kommenden Geschäftsjahr rund 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital aufnehmen. Darunter fällt eine bereits angekündigte Aktienplatzierung von 20 Milliarden Dollar. Schon im abgelaufenen Jahr hatte das Unternehmen 43 Milliarden Dollar an Fremdkapital und weitere 5 Milliarden über Eigenkapital eingesammelt. Die Gesamtverbindlichkeiten stiegen im vierten Quartal um 48 Prozent auf 218,7 Milliarden Dollar.
Die Finanzierungsstruktur zeigt, wie ungewöhnlich der Kapitalbedarf ist. Für Rechenzentren in Texas und Wisconsin musste Oracle ein Konsortium aus Dutzenden Kreditgebern zusammenstellen. Bei einem anderen Paket über 16,3 Milliarden Dollar sprang PIMCO als Ankerinvestor mit 10 Milliarden Dollar ein — weil traditionelle Banken zögerten.
Rekord-Auftragsbestand als Gegenargument
Oracle hält dem Gegenargument bereit: Der Auftragsbestand ist so hoch wie nie. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen stiegen auf 638 Milliarden Dollar — ein Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber sind langfristige KI-Verträge, darunter ein gemeldeter Fünfjahresvertrag mit OpenAI im Volumen von 300 Milliarden Dollar sowie eine Partnerschaft mit Meta.
Kein Wunder, dass Anleger gespalten reagieren. Der Auftragsbestand verspricht künftige Einnahmen. Aber die Frage, ob Oracle die Finanzierungsrunden ohne spürbare Verwässerung stemmen kann, dürfte die Aktie noch länger unter Druck halten. Der RSI liegt bei 37 — technisch ist das Papier nahe überverkauftem Terrain, aber fundamentale Klarheit fehlt vorerst.
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