Oracle wächst rasant im Cloud-Geschäft — und steht trotzdem unter massivem Finanzdruck. Gerüchte über einen drastischen Stellenabbau zeigen, wie teuer die KI-Transformation wirklich ist.
30.000 Stellen auf dem Spiel
Analysten von TD Cowen zufolge erwägt Oracle den Abbau von rund 30.000 Stellen. Das Ziel: zwischen acht und zehn Milliarden Dollar Kapital freisetzen. Der Konzern befindet sich mitten in einer strukturellen Neuausrichtung hin zu „KI-Infrastrukturmanagement“ — und die kostet.
Die Zahlen sprechen für sich. Im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres stieg der Umsatz um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar. Das Cloud-Segment legte 44 Prozent zu, der Infrastrukturbereich sogar 84 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass die Aktie zuletzt stark zulegte — in den vergangenen 30 Tagen rund 38 Prozent.
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Allerdings: Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate liegt bei minus 13,2 Milliarden Dollar. Die Gesamtverschuldung übersteigt 100 Milliarden Dollar. Für das Geschäftsjahr 2026 plant Oracle Investitionsausgaben von rund 50 Milliarden Dollar. Das Wachstum hat seinen Preis.
TikTok, Senatoren und Datensicherheit
Oracle gerät auch politisch unter Druck. Ein US-Senator forderte Ende Mai detaillierte Auskunft über Datensicherheitsmaßnahmen im Rahmen der TikTok-US-Partnerschaft. Oracle ist einer von drei Hauptinvestoren des Joint Ventures und stellt die Cloud-Infrastruktur bereit, auf der TikToks Algorithmen trainiert werden.
Im Kern geht es um die Frage, ob die Daten von über 200 Millionen US-Nutzern wirksam vor ausländischem Zugriff geschützt sind. Eine formelle Antwort Oracles steht aus — und könnte das Risikoprofil der Aktie kurzfristig beeinflussen.
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Projekt Jupiter: Wasserstoff statt Gas
Im US-Bundesstaat New Mexico baut Oracle das Rechenzentrum „Project Jupiter“ — konzipiert für die Rechenkapazitäten von OpenAI. Wegen lokaler Bedenken zu Wasserverbrauch und Emissionen wechselt das Unternehmen von Gasturbinen auf Brennstoffzellen von Bloom Energy.
Die neuen Anlagen sollen bis zu 2,8 Gigawatt Leistung liefern und den Stickoxidausstoß um 92 Prozent senken. Der Wasserverbrauch sinkt von einer Million Gallonen täglich auf 20.000. Umweltgruppen kritisieren dennoch geschätzte 10,1 Millionen Tonnen jährliche Treibhausgasemissionen. Oracle investiert Hunderte Millionen Dollar in lokale Infrastruktur, um den Widerstand zu dämpfen.
Kurs weit vom Hoch entfernt
Die Oracle-Aktie schloss zuletzt bei 193,54 Euro — rund 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro. Analysten sehen im Konsens ein Kursziel von umgerechnet rund 261 Dollar, behalten aber die hohe Schuldenlast als Risikofaktor im Blick. Die Volatilität der Aktie liegt annualisiert bei über 62 Prozent — das spiegelt wider, wie viel bei Oracles KI-Wette noch offen ist.
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