Starke Produktneuheiten, ein lukrativer Regierungsauftrag und ein massives Sicherheitsleck. Bei Oracle prallen derzeit extreme Gegensätze aufeinander. Der Softwarekonzern treibt seine Expansion im Bereich Künstliche Intelligenz aggressiv voran. Die Kosten dafür belasten jedoch den Aktienkurs schwer.

KI-Offensive im Hotelgewerbe

Oracle trägt seine KI-Strategie gezielt aus den Rechenzentren heraus. Mit dem neuen „OPERA Cloud Assistant“ bringt das Unternehmen smarte Funktionen direkt in die Hotelverwaltung. Die Software automatisiert die Zimmervergabe und optimiert die Preisgestaltung. Übersetzungen für den weltweiten Betrieb sind ebenfalls integriert.

Ein entscheidender Vorteil für die Kunden: Oracle bietet diese Werkzeuge ohne Aufpreis an. Große Ketten wie Wyndham, Accor und Hyatt nutzen das System bereits. Allein Wyndham verwaltet damit mehr als 2.100 Unterkünfte. Das erhöht den Druck auf konkurrierende Softwareanbieter enorm.

Millionen-Deal mit der US-Regierung

Parallel dazu verbucht der Konzern einen wichtigen Erfolg in Washington. Die US-Personalbehörde hat Oracle einen Auftrag über knapp 396 Millionen US-Dollar erteilt. Das Ziel: die erste einheitliche Personalplattform für die gesamte Bundesregierung.

Der Vertrag läuft über zehn Jahre. Oracle setzte sich dabei gegen starke Konkurrenten wie Workday, IBM und SAP durch. Die neue Cloud-Lösung ersetzt künftig über 100 alte Systeme. Sie verwaltet bald die Daten von mehr als zwei Millionen Bundesbediensteten.

Kriminelle nutzen Sicherheitslücke

Ein schwerer Cyberangriff trübt allerdings die positive Nachrichtenlage. Hacker nutzen derzeit eine kritische Schwachstelle in der Software Oracle PeopleSoft aktiv aus. Die Lücke erlaubt Angreifern die Ausführung von Schadcode aus der Ferne. Eine vorherige Anmeldung im System ist dafür nicht nötig.

Die Angriffe begannen bereits zwei Wochen vor der offiziellen Warnung des Unternehmens. Die Täter nahmen dabei gezielt den Bildungssektor ins Visier. Universitäten und Hochschulen machen 68 Prozent der betroffenen Organisationen aus. US-Sicherheitsbehörden bestätigen den Einsatz der Lücke in Erpressungskampagnen.

Hohe Kosten schrecken Investoren

An der Börse sucht die Aktie nach einem massiven Ausverkauf wieder Halt. Kürzlich sprang der Kurs um 5,7 Prozent nach oben. Auslöser waren sinkende Anleiherenditen im Zuge geopolitischer Entspannung am Persischen Golf. Softwareunternehmen reagieren traditionell sehr sensibel auf Zinsbewegungen.

Trotzdem notiert das Papier mit rund 194 US-Dollar weit unter den alten Rekorden. Vom Hoch im September 2025 trennen die Aktie mehr als 40 Prozent. Anleger reagieren nervös. Der Grund für diese Zurückhaltung liegt in den enormen Ausgaben.

Der massive Ausbau der KI-Infrastruktur verschlingt Unsummen. Im vergangenen Geschäftsjahr verzeichnete Oracle einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden US-Dollar. Die neuen Produkte müssen nun beweisen, dass sie diese gigantischen Investitionen rechtfertigen. Gelingt die Monetarisierung der KI-Funktionen nicht schnell, droht weiterer Druck auf die Margen.