Der KI-Ausbau verschlingt Unsummen. Im aktuellen Jahresabschluss warnt Oracle überraschend deutlich vor den Tücken dieser Strategie. Lieferengpässe, Bauverzögerungen und Zahlungsausfälle bedrohen die ehrgeizigen Pläne. Die Aktie hat in den vergangenen Monaten bereits massiv gelitten.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr investierte der Softwarekonzern 55,7 Milliarden US-Dollar. Für das kommende Jahr rechnet das Management mit Ausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar. Das Geld fließt primär in neue Rechenzentren.
Allerdings birgt die gigantische Expansion Gefahren. Oracle kämpft mit knappen Grafikprozessoren und fehlenden Stromkapazitäten. Auch die Finanzierung mancher Kunden wackelt. Besonders hochverschuldete KI-Nutzer bereiten Sorge. Wenn neue Produkte zudem die Erwartungen verfehlen, drohen spürbare Reputationsschäden.
Aktie im Abwärtssog
Am Freitag ging das Papier bei 126,30 Euro aus dem Handel. Ein leichtes Tagesplus verdeckt den drastischen Einbruch der jüngsten Zeit. Auf Monatssicht verlor die Aktie rund 36 Prozent an Wert.
Vom Rekordhoch im vergangenen September ist der Kurs weit entfernt. Er hat sich um etwa 55 Prozent verbilligt. Damit notiert Oracle deutlich unter der wichtigen 200-Tage-Linie. Der Relative-Stärke-Index fällt auf gut 30. Das Signal: Die Aktie nähert sich dem stark überverkauften Bereich.
Flucht nach vorn in der Software
Ungeachtet der Risiken treibt das Management die Entwicklung voran. Oracle integriert Künstliche Intelligenz direkt in seine Unternehmenssoftware. Ende Juni startete ein neuer digitaler Assistent für das Personalwesen.
Parallel dazu baut Oracle vier neue KI-Anwendungen für das Lieferkettenmanagement. Das Ziel: Die massiven Infrastrukturkosten müssen sich in lukrativen Software-Abos niederschlagen. Der Konzern beteiligt sich außerdem am „Stargate“-Projekt. Dieses Vorhaben sieht über die nächsten Jahre Branchen-Investitionen von bis zu 500 Milliarden Dollar vor.
Der Markt fordert nun Beweise für diese Strategie. Die extremen Ausgaben müssen sich schnell in realen Gewinnen materialisieren. Gelingt der Brückenschlag zur profitablen Software, bietet das aktuelle Kursniveau eine Einstiegschance. Verzögern sich jedoch die Bauprojekte weiter, droht ein rascher Rückschlag in Richtung des 52-Wochen-Tiefs bei 113,86 Euro.
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