Ein WSJ-Bericht über finanzielle Schwäche beim wichtigsten Kunden hat Oracle am Dienstag empfindlich getroffen. Die Aktie verlor mehr als sechs Prozent — und das in einem Umfeld, in dem Investoren die aggressive Infrastrukturstrategie des Unternehmens ohnehin kritisch beäugen.
OpenAIs Wachstumsprobleme landen bei Oracle
Der Auslöser: Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf Insider, dass OpenAI interne Wachstumsziele verfehlt hat. CFO Sarah Friar soll Unternehmensführern mitgeteilt haben, sie sei besorgt, dass OpenAI künftige Rechenkapazitätsverträge möglicherweise nicht bezahlen könne, falls das Umsatzwachstum nicht anzieht.
Konkret verfehlte OpenAI das selbst gesteckte Ziel von einer Milliarde wöchentlich aktiver Nutzer bis Ende 2025. ChatGPTs Anteil am generativen KI-Webtraffic fiel binnen eines Jahres von 86,7 auf 64,5 Prozent — während Googles Gemini im gleichen Zeitraum von 5,7 auf 21,5 Prozent zulegte. Anthropic gewinnt unterdessen im Unternehmensgeschäft an Boden.
Für Oracle ist das kein abstraktes Branchenproblem. Das Unternehmen hat mit OpenAI einen Fünfjahresvertrag über 300 Milliarden Dollar zur Bereitstellung von Cloud-Rechenleistung geschlossen — das Herzstück von Oracles KI-Wachstumsstory.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Oracle?
Schulden auf Rekordniveau, Einnahmen noch nicht da
Das Timing ist heikel. Der Großteil der Erlöse aus dem OpenAI-Vertrag soll erst ab nächstem Jahr fließen. Oracles Gesamtverschuldung stieg zuletzt um 60 Prozent auf einen Rekordwert von 153 Milliarden Dollar. Um neue Rechenzentren zu finanzieren, beschafft das Unternehmen 50 Milliarden Dollar über eine Mischung aus Anleihen und Aktieninstrumenten — davon sind rund 30 Milliarden bereits gesichert.
Morgans Stanleys Credit-Team schätzt den künftigen Kapitalbedarf für 2027 und die erste Jahreshälfte 2028 auf über 100 Milliarden Dollar. Schon vergangene Woche hatte das WSJ berichtet, dass Banken wie JPMorgan Schwierigkeiten haben, Kreditrisiken aus Oracles Rechenzentrumsfinanzierungen weiterzuverkaufen.
Ausverkauf erfasst die gesamte KI-Infrastruktur
Der Kursrückgang blieb nicht auf Oracle beschränkt. SoftBank, mit 13 Prozent an OpenAI beteiligt, verlor in Tokio knapp zehn Prozent. CoreWeave, das Cloud-Verträge mit OpenAI im Volumen von bis zu 22,4 Milliarden Dollar hält, fiel im vorbörslichen Handel um 7,6 Prozent. Chiphersteller wie Nvidia, Broadcom und AMD verloren zwischen drei und fünf Prozent.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Oracle?
Die Oracle-Aktie notiert aktuell bei 142 Euro — rund 49 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom September 2025. Der RSI liegt bei 26,5 und signalisiert damit eine deutlich überverkaufte technische Lage.
Wall Street bleibt mehrheitlich optimistisch
Trotz des Ausverkaufs haben die meisten Analysten ihre Einschätzung nicht geändert. Von 44 bei Koyfin erfassten Analysten empfehlen 34 die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel impliziert rund 40 Prozent Aufwärtspotenzial. Wedbush-Analyst Dan Ives bekräftigte zuletzt am 24. April sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 225 Dollar — und argumentiert, der Markt verwechsle Oracles Investitionsoffensive mit einem Risiko statt sie als langfristigen Infrastrukturaufbau zu lesen.
OpenAI selbst wies den Bericht zurück: „Das ist absurd. Wir sind vollständig darauf ausgerichtet, so viel Rechenkapazität wie möglich zu kaufen und arbeiten jeden Tag hart daran“, teilte das Unternehmen CNBC mit. Ob diese Aussage die Bedenken zerstreut, wird sich spätestens zeigen, wenn Oracle im Juni seine Quartalszahlen vorlegt und konkrete Zahlen zum Auftragseingang aus dem OpenAI-Vertrag liefert.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 28. April liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 28. April erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


