Oracle liefert auf den ersten Blick gemischte Signale. Der Kurs steht unter Druck — am Freitag schloss die Aktie bei 160,64 Euro, das sind 0,15 Prozent weniger als am Vortag. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 3,81 Prozent. Und doch sichert sich der Konzern derzeit Großaufträge, die das langfristige Bild prägen.
Die Geschäfte laufen besser als der Kurs vermuten lässt. Im vierten Fiskalquartal 2026 stieg der Umsatz auf 19,2 Milliarden Dollar. Noch wichtiger: Die vertraglich gebundenen Erlöse — sogenannte Remaining Performance Obligations — liegen bei 638 Milliarden Dollar. Kein Wunder, dass Analysten im Median ein Kursziel von 247,50 Dollar nennen. Das wäre ein Aufschlag von mehr als 50 Prozent.
Milliarden-Deals mit Staat und Industrie
Oracle baut sein Geschäft mit Behörden aus. Ein aktueller Auftrag der US-Personalbehörde OPM hat ein Volumen von rund 395,8 Millionen Dollar. Ziel ist es, alte Systeme auf eine moderne HR-Cloud-Plattform zu migrieren. Im Telekommunikationssektor gewann Oracle einen Vertrag mit einem lateinamerikanischen Carrier, der 30 Millionen Kunden über Oracles KI-gestützte Plattformen versorgen will.
Auch in der Hotellerie setzt der Konzern Zeichen. Auf der HITEC-Messe in San Antonio zeigte Oracle den OPERA Cloud Assistant. Große Hotelketten wie Loews setzen die KI-Lösung bereits ein. Sie soll Mitarbeitern schnellen Zugriff auf relevante Daten geben und Betriebsabläufe optimieren.
Infrastruktur als Engpass
Künstliche Intelligenz frisst nicht nur Rechenleistung, sondern auch Strom und Wasser. Oracle hat darauf reagiert. Mit dem „Project Jupiter“ in New Mexico testet der Konzern Brennstoffzellen und wasserlose Kühlung für Rechenzentren. Das ist kein Nischenthema. Der Ausbau der KI-Cloud-Infrastruktur ist kapitalintensiv — Oracle soll dafür einen Finanzierungsplan von 40 Milliarden Dollar verfolgen.
Aus technischer Sicht bewegt sich die Aktie in einer breiten Spanne. Das 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro aus dem September 2025 liegt weit entfernt, das Tief von 113,86 Euro aus dem Februar 2026 ebenso. Der RSI von 44,1 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Situation. Die Volatilität bleibt mit annualisiert knapp 70 Prozent hoch.
Oracle setzt zunehmend auf ergebnisabhängige Preismodelle für KI-Agenten. Ob der Markt diese Strategie honoriert, wird sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen. Die Auftragsbücher sind jedenfalls so voll wie selten zuvor.
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