Oracle sammelt gerade gleich mehrere Signale ein, die in unterschiedliche Richtungen deuten. Auf der einen Seite stehen ein prominenter Deal in der Formel 1 und Rückenwind von Analysten. Auf der anderen Seite belasten hohe Investitionen, Kapitalbedarf und juristische Baustellen – und genau diese Mischung macht die kommenden Wochen so wichtig.
Zwei Impulse in kurzer Folge
Diese Woche hat Oracle seine mehrjährige Titelpartnerschaft mit Oracle Red Bull Racing verlängert und ausgeweitet. Der Kern der Botschaft: Oracle will nicht einfach nur Markenpräsenz im Sport, sondern einen sichtbaren Praxisbeleg liefern, dass Oracle Cloud Infrastructure (OCI) und Oracle AI extrem komplexe, zeitkritische Rechenlasten bewältigen können. Dazu zählen Simulationen für Rennstrategien und ein KI-gestützter „Strategy Agent“, der Daten automatisiert einsammelt, historische und Live-Informationen interpretiert und Ingenieuren schneller verwertbare Hinweise liefern soll.
Das passt auch zur Formel-1-Saison 2026, die vor einem größeren Regel-Reset steht. Red Bull Ford Powertrains bringt dabei ein neues Hybrid-Aggregat an den Start, das laut Oracle auf OCI entwickelt und intensiv getestet wurde. Die Botschaft an Unternehmenskunden ist klar: Wer gerade KI-Workloads bewertet, soll Oracle in derselben Liga wie AWS, Azure und Google Cloud wahrnehmen.
Fast zeitgleich kam ein weiteres Signal: Oppenheimer stufte Oracle am 25. Februar von „Perform“ auf „Outperform“ hoch und setzte ein neues Kursziel von 185 US-Dollar. Begründet wurde das unter anderem mit einem aus Sicht der Analysten attraktiveren Chance-Risiko-Verhältnis nach dem starken Rückgang der Bewertungskennzahlen seit September – auch wenn der Umbau hin zu einem kapitalintensiveren Modell noch Risiken birgt.
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Warum der Markt trotzdem skeptisch bleibt
Der Gegenwind ist vor allem hausgemacht – und hat mit Geld zu tun. Oracle treibt den Ausbau seiner Cloud-Infrastruktur aggressiv voran und hat dafür Anfang Februar einen Finanzierungsplan für 2026 kommuniziert: Insgesamt sollen 45 bis 50 Milliarden US-Dollar an Mitteln eingesammelt werden, über eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital, wobei etwa die Hälfte über aktienbezogene Instrumente und neue Aktien kommen soll. Das erhöht die Sensibilität des Marktes für Verschuldung, Verwässerung und die Frage, wie schnell sich die Investitionen auszahlen.
Gleichzeitig zeigt Oracle zwar enorme Nachfrage, aber auch die Kehrseite des Ausbaus. Zum Ende des zweiten Quartals im Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30. November 2025) meldete das Unternehmen verbleibende Leistungsverpflichtungen (RPO) von 523 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 433% zum Vorjahr – getrieben durch mehrere große, mehrjährige Cloud-Verträge. Doch der Ausbau der Rechenzentren drückte den Cashflow: Für das Quartal wurde ein negativer Free Cashflow von 10 Milliarden US-Dollar ausgewiesen.
Operativ war das Bild gemischt: Das Non-GAAP-Ergebnis je Aktie lag bei 2,26 US-Dollar und damit deutlich über den Erwartungen, der Umsatz stieg um 13% auf 16,1 Milliarden US-Dollar und verfehlte die Schätzungen leicht. Die Cloud-Erlöse legten um 33% auf 8 Milliarden US-Dollar zu – ein Hinweis, dass der strategische Schwenk Richtung Cloud und KI greift, aber teuer erkauft ist.
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Passend dazu spiegelt auch der Kursverlauf Druck wider: Die Aktie schloss am Freitag bei 123,00 Euro und liegt damit seit Jahresanfang 26,35% im Minus.
Juristische Risiken erhöhen den Druck
Zusätzlich hängt ein juristischer Schatten über dem Papier. Eine Kanzlei erinnerte Anleger an eine Frist bis 6. April 2026, um als „Lead Plaintiff“ in einer Sammelklage aktiv zu werden. Im Kern geht es um Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Zeitraum, in dem Investoren zwischen Juni und Dezember 2025 Oracle-Wertpapiere gekauft haben sollen.
Separat gibt es außerdem eine Klage von Anleihegläubigern: In Manhattan wurde im Januar eine Class Action im Zusammenhang mit 18 Milliarden US-Dollar an Schuldtiteln eingereicht, die Oracle im September 2025 begeben hatte. Der Vorwurf: Oracle habe damals nicht ausreichend offengelegt, dass für den KI-Rechenzentrum-Ausbau womöglich deutlich mehr Schulden nötig seien – nachdem kurz darauf zusätzliche Kredite aufgenommen worden seien.
Was als Nächstes zählt
Der nächste harte Test kommt sehr konkret: Am 9. März 2026 legt Oracle Zahlen vor. Das Management stellt für das dritte Quartal Cloud-Wachstum von 37 bis 41% (währungsbereinigt), Gesamtumsatzplus von 16 bis 18% sowie Non-GAAP-EPS-Wachstum von 12 bis 14% in Aussicht. Genau an diesen Leitplanken wird der Markt messen, ob sich der teure Infrastruktur-Schub bereits in belastbarem Wachstum und besserer Ertragsqualität niederschlägt.
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