Oracle geht mit einem Minus von fast neun Prozent am Freitag in die wohl wichtigste Woche des Jahres. Am Mittwoch, dem 10. Juni, legt der Konzern seine Quartalszahlen vor — und die Erwartungen könnten kaum weiter auseinanderliegen.
Analysten streiten über den richtigen Preis
BTIG Research bekräftigte am Freitag sein Kaufvotum und hält an einem Kursziel von 400 Dollar fest. Das impliziert eine mehr als doppelt so hohe Bewertung wie der aktuelle Kurs. RBC Capital dagegen hob sein Ziel zwar von 160 auf 190 Dollar an, blieb aber bei einer neutralen Einstufung. Die Begründung: Bewertungsanpassungen im Peer-Vergleich — kein Vertrauensbeweis, sondern Arithmetik.
RBC skizzierte auch, was am 10. Juni zählen wird. Das Investmenthaus nennt Oracles mehrjährigen Investitionsplan, das Tempo beim Ausbau von Rechenzentren, GPU-Cluster-Deployments und mögliche Auswirkungen des Stargate-Projekts auf Finanzierungsverpflichtungen. Kurz gesagt: Wächst Oracle schnell genug, ohne dabei die Bilanz zu überdehnen?
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Starkes Wachstum, hohe Kosten
Die jüngsten Quartalszahlen liefern den Maßstab. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte Oracle einen Gesamtumsatz von 17,2 Milliarden Dollar — ein Plus von 22 Prozent. Der Cloud-Umsatz kletterte um 44 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar. Die Oracle Cloud Infrastructure legte sogar um 84 Prozent zu.
Das Auftragsvolumen ist beeindruckend. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen stiegen um 325 Prozent auf 553 Milliarden Dollar — getrieben von großen KI-Verträgen. Oracle betonte, für diese Verträge keine zusätzlichen Mittel aufnehmen zu müssen, weil Kunden Ausrüstung vorfinanzieren oder selbst stellen.
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Dennoch bleibt die Kapitalseite heiß diskutiert. Oracle plant für das laufende Geschäftsjahr Investitionen von 50 Milliarden Dollar bei einem Umsatzziel von 67 Milliarden Dollar. Für 2027 peilt der Konzern 90 Milliarden Dollar Umsatz an.
Kursbild nach dem Freitagsrücksetzer
Der Schlusskurs liegt bei 185,46 Euro — nach einem Wochenverlust von gut vier Prozent. Auf Sicht von 30 Tagen steht die Aktie dennoch rund zwölf Prozent im Plus, seit Jahresbeginn knapp elf Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 177,34 Euro hält als Unterstützung bislang.
Das Bild ist gemischt, nicht gebrochen. Wer am Mittwochabend nach Börsenschluss die Zahlen verfolgt, wird vor allem auf eine Frage eine Antwort suchen: Reicht das Cloud-Wachstum, um die enormen Investitionen zu rechtfertigen — oder beginnt die Kapitalintensität die Marge zu fressen?
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