Oracle-Aktien versuchen sich am Montag an einer technischen Erholung. Das Papier steigt um 2,55 Prozent auf 103,78 Euro, nachdem es am Freitag noch auf ein neues 52-Wochen-Tief von 101,20 Euro gefallen war. Die kurze Verschnaufpause ändert wenig an der eigentlichen Geschichte: Oracles Kreditrisiko klettert auf den höchsten Stand seit fast 18 Jahren.

Ausfallversicherungen so teuer wie seit 2008 nicht mehr

Institutionelle Investoren blicken derzeit vor allem auf die Credit Default Swaps von Oracle. Die Fünf-Jahres-CDS-Spreads sind laut Marktdaten vom 27. Juli auf rund 196,6 Basispunkte gesprungen. Das bedeutet: Der Markt bewertet das Risiko eines Zahlungsausfalls so hoch wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr.

Der Auslöser: S&P Global hat das langfristige Emittentenrating von Oracle kürzlich auf BBB- gesenkt. Das ist nur noch eine Stufe über Ramschstatus. Die Ratingagentur nennt außergewöhnlich hohe Investitionen in KI-Infrastruktur und eine Gesamtverschuldung von fast 130 Milliarden Dollar als Hauptgründe.

Wisconsin verlangt Milliarden-Sicherheiten

Zu den Kreditsorgen kommt ein regionales Problem hinzu. Die Regulierungsbehörde von Wisconsin (Public Service Commission) hat strenge Auflagen für ein neues Rechenzentrums-Projekt bestätigt. Oracle muss nach Berichten von Ende Juli 6,8 Milliarden Dollar an Sicherheiten hinterlegen, um die nötige Energieinfrastruktur für die Anlage abzusichern.

Die Behörde will damit die Stromkunden im Bundesstaat vor dem Risiko strandender Investitionen schützen, falls das Rechenzentrum später nicht ausgelastet oder unrentabel wird. Es ist nicht der einzige regionale Rückschlag. Auch das 16,5-Milliarden-Dollar-Projekt „Jupiter“ in New Mexico kämpft mit Problemen — die Genehmigung für die nötige Gaspipeline wurde dort bereits zum zweiten Mal abgelehnt.

Rechtsstreit um Ellisons Garantie belastet zusätzlich

Parallel dazu sorgt ein juristisches Verfahren rund um Mitgründer Larry Ellison für Unruhe. Zwölf US-Bundesstaaten haben eine Klage eingereicht, um die geplante Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Skydance zu stoppen. Ellison hatte für diesen Deal persönlich mit 40,4 Milliarden Dollar gebürgt.

Investoren befürchten, dass die koordinierte Klage der Generalstaatsanwälte indirekt auch Oracle finanziell treffen könnte. Ebenso besteht die Sorge, dass der Rechtsstreit das Management vom eigentlichen Umbau zur Cloud-Infrastruktur ablenkt.

Analysten bleiben trotz allem gelassen

Trotz der Häufung negativer Nachrichten zeigen sich Analysten verhalten optimistisch. Nach Konsensdaten vom 27. Juli führen 39 Broker Oracle weiterhin mit „Moderate Buy“, das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei etwa 265,03 Dollar.

Auch charttechnisch gibt es Anzeichen für eine Gegenbewegung. Der 14-Tage-RSI steht bei 31,0 und signalisiert eine überverkaufte Aktie — ein Niveau, das häufig kurzfristige Erholungen einleitet. Die Aktie notiert allerdings noch immer 63 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro vom September 2025.

Ob sich daraus mehr als eine technische Gegenbewegung entwickelt, hängt an einer zentralen Frage: Kann Oracle seinen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar in tatsächliche Umsätze verwandeln, ohne die angeschlagene BBB–Bilanz weiter zu belasten? Genau daran werden Investoren die nächsten Quartale messen.