Ein geplatzter Milliardendeal, ein öffentlicher Widerspruch und eine Compliance-Frage, die Oracle nicht loswerden wird. Das ist die Gemengelage, mit der der Cloud-Konzern diese Woche in die Schlagzeilen geraten ist.
Der Deal, der nicht zustande kam
Business Insider berichtete, dass Microsoft Gespräche mit Oracle über die Anmietung von Cloud-Infrastruktur abgebrochen habe. Der Grund: Oracles Public Cloud erfüllt nicht den FedRAMP-Standard — ein Sicherheitsrahmen, den US-Behörden für die Verarbeitung staatlicher Daten vorschreiben. Das Deal-Volumen hätte laut dem Bericht mehr als drei Milliarden Dollar betragen können.
Oracle widersprach. Ein Sprecher erklärte, die im Artikel genannten Details seien unzutreffend. Microsoft sei sowohl Partner als auch Kunde. Microsoft selbst äußerte sich nicht.
Unbestritten bleibt jedoch ein technisches Faktum: Oracles Government Cloud trägt das FedRAMP-Zertifikat, die Public Cloud nicht. Ein Oracle-Manager räumte ein, die Integration würde erheblichen Entwicklungsaufwand erfordern.
Compliance als Wettbewerbsfaktor
Für Investoren ist das kein Randthema. AWS und Google Cloud erfüllen FedRAMP bereits in ihrer Public Cloud. Oracle fehlt diese Zertifizierung genau dort, wo Hyperscaler wie Microsoft gerade externe Kapazitäten suchen, um die explodierende KI-Nachfrage zu bewältigen.
Das Muster ist dabei nicht einheitlich. Oracle hat für das US-Personalamt einen HR-Plattformvertrag über knapp 400 Millionen Dollar gewonnen — auf Basis der FedRAMP-zertifizierten Oracle Fusion Cloud HCM. Das zeigt: Oracle holt sich die Zertifizierung, wenn langfristige Anwendungsverträge winken. Bei reinen Infrastrukturdeals kalkuliert das Unternehmen offenbar anders.
Rekordquartal, aber Schuldenberg wächst
Der Compliance-Streit trifft Oracle kurz nach einem starken Quartalsbericht. Im vierten Fiskalquartal erzielte der Konzern 19,2 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Cloud-Infrastrukturbereich legte sogar um 93 Prozent zu. Der Jahresumsatz für das Geschäftsjahr 2026 erreichte 67,4 Milliarden Dollar.
Die Kehrseite: Oracle finanziert seinen KI-Rechenzentrumsausbau aggressiv über Fremdkapital. Im abgelaufenen Geschäftsjahr nahm der Konzern 43 Milliarden Dollar Schulden und fünf Milliarden Dollar Eigenkapital auf. Die Investitionsausgaben kletterten auf 55,7 Milliarden Dollar. Der freie Cashflow war mit minus 23,7 Milliarden Dollar tief negativ.
Für das Geschäftsjahr 2027 peilt Oracle 90 Milliarden Dollar Gesamtumsatz an. Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll auf 8,05 Dollar steigen — ein Plus von 18 Prozent. Für das erste Quartal erwartet das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 27 bis 29 Prozent und ein bereinigtes EPS zwischen 1,72 und 1,76 Dollar.
Kurs weit unter Jahreshoch
An der Börse reagierten beide Unternehmen mit Verlusten: Microsoft schloss am Dienstag rund zwei Prozent tiefer, Oracle verlor 2,3 Prozent. Die Aktie notiert aktuell bei 161,24 Euro — mehr als 42 Prozent unter dem Septemberhoch von 280,70 Euro. Auf Jahressicht steht ein Minus von knapp elf Prozent.
Oracle muss nun zeigen, ob die FedRAMP-Frage ein isoliertes Kalkulationsproblem war oder ein strukturelles Hindernis auf dem Weg zum nächsten großen Infrastrukturvertrag.
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