Oracle-Aktionäre schauen derzeit nicht nur auf Cloud-Umsätze und Rechenzentren. Ein Blick nach Hollywood gehört inzwischen genauso zur Pflichtlektüre. Denn das Schicksal der Aktie hängt plötzlich an einem 110-Milliarden-Dollar-Mega-Deal und den privaten Finanzen von Firmengründer Larry Ellison.
Eine Garantie, die mit dem Kurs atmet
Der Ellison Family Trust hat eine Eigenkapital-Rückversicherung über 45,7 Milliarden Dollar gestellt. Larry Ellison persönlich bürgt unwiderruflich für 40,4 Milliarden Dollar der Finanzierung. Es geht um die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch Paramount Skydance, angeführt von seinem Sohn David.
Die Krux dabei: Der Trust hält rund 1,16 Milliarden Oracle-Aktien. Deren Wert hat sich seit Abschluss der Garantie etwa halbiert. Oracles jüngste Proxy-Unterlagen zeigen zudem, dass Ellison bereits 346 Millionen seiner Aktien im September als Sicherheit für private Schulden verpfändet hatte.
Die Sicherheit hinter einer der größten persönlichen Finanzverpflichtungen der Unternehmensgeschichte ist also Oracle-Aktie selbst. Und diese Aktie befindet sich seit Monaten im Sinkflug.
Ein Gerichtsverfahren zieht sich in die Länge
Eigentlich sollte der Deal längst durch sein. Das US-Justizministerium gab grünes Licht im Juni, die EU-Kommission folgte am 22. Juli mit Auflagen zur Filmverteilung in Europa.
Dann kam der Widerstand aus den Bundesstaaten. Zwölf Generalstaatsanwälte, angeführt von Kalifornien, reichten in diesem Monat Klage ein. Ihr Argument: Der Zusammenschluss schade dem Wettbewerb in Film und Entertainment. Ein Bundesrichter stoppte die Transaktion vorerst, bis das Verfahren entschieden ist.
Der Zeitplan, der daraus entstand, sollte Oracle-Aktionäre eigentlich am meisten beunruhigen. Am Freitag, den 24. Juli, akzeptierte Paramount: Der Deal schließt frühestens am 1. Juni 2027 ab — oder fünf Tage nach einem Urteil in der Sache, je nachdem, was zuerst eintritt. Das bedeutet: Ellisons Garantie bleibt fast ein weiteres Jahr offen. Und die Aktie, die als Sicherheit dient, fällt weiter.
Wo die Aktie gerade steht
Oracle notiert aktuell bei 113,04 Euro, ein Plus von 2,21 Prozent im vorbörslichen Handel nach dem gestrigen Schlusskurs von 110,60 Euro. Der kleine Rebound ändert wenig am großen Bild: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von knapp 32 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es fast 49 Prozent. Vom Rekordhoch aus dem September 2025 bei 280,70 Euro trennen die Aktie inzwischen fast 60 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 53,71 Prozent zeigt, wie nervös der Handel geworden ist. Gleichzeitig liegt das durchschnittliche Analysten-Kursziel bei 215,32 Euro — ein Aufwärtspotenzial von rund 90 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Diese Lücke sagt viel darüber aus, wie weit sich die Stimmung von den Modellen der Analysten entfernt hat.
Eine Geschichte, die über das Zahlenwerk hinausgeht
Was diesen Moment ungewöhnlich macht: Oracles kurzfristige Zukunft hängt nicht mehr allein an Cloud-Wachstum, Auftragsbestand oder Investitionsdisziplin — den Themen, die den Ausverkauf im Sommer geprägt hatten. Jetzt entscheidet auch ein Gerichtssaal mit, in dem über einen Entertainment-Deal verhandelt wird. Und darüber, ob der Mann, der Oracle aufgebaut hat, seine persönliche Garantie halten kann, während das Sicherungsvermögen dahinter weiter schrumpft.
Für eine Aktie, die ohnehin schon mit Skepsis der Kreditmärkte über ihre KI-getriebene Verschuldung kämpft, ist das eine zusätzliche Belastung. Die Verstrickung von Gründervermögen und Konzernkurs gibt dem Markt einen weiteren Grund, einen Abschlag zu verlangen — und den Gerichtssaal genauso aufmerksam zu beobachten wie die Bilanz.
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