Während Oracle im operativen Geschäft neue Kunden gewinnt und bestehende Partnerschaften ausbaut, rutscht die Aktie auf ein neues Jahrestief. Der Softwarekonzern vermeldet aktuell frische Erfolge mit Handelsketten und Hotelgruppen – an der Börse zählt das gerade wenig. Der Kurs zeigt, wie tief das Misstrauen gegenüber der milliardenschweren KI-Investitionsstrategie inzwischen sitzt.

Am Montag fiel die Oracle-Aktie um 5,3 Prozent auf 133,17 Dollar und markierte damit ein neues 52-Wochen-Tief. Auf Jahressicht steht ein Minus von rund 38 Prozent zu Buche. Der jüngste Rutsch folgt auf einen breiteren Ausverkauf bei Technologiewerten, ausgelöst durch die Erwartung des US-Verbraucherpreisindex für Juni, der Hinweise auf den nächsten Zinsschritt der Notenbank liefern soll.

Starke Zahlen, teure Wetten

Dabei hatte Oracle im vierten Fiskalquartal die Erwartungen übertroffen: Der Umsatz legte um 21 Prozent zu, das Cloud-Infrastrukturgeschäft wuchs sogar um 93 Prozent im Jahresvergleich. Die Kehrseite sind die Kosten dieses Wachstums. Im Fiskaljahr 2026 investierte der Konzern rund 55,7 Milliarden Dollar in Investitionsgüter, bei einem negativen freien Cashflow von etwa 23,7 Milliarden Dollar.

Für das kommende Fiskaljahr kündigte das Management weitere 70 Milliarden Dollar an Investitionen an, finanziert unter anderem über eine geplante Kapitalaufnahme von rund 40 Milliarden Dollar aus Fremd- und Eigenkapital. Genau diese Aussicht auf Verwässerung und steigende Verschuldung treibt die Anleger um.

Verschärft wird die Lage durch die jüngste Herabstufung der langfristigen Bonität durch S&P Global auf „BBB-“ – nur eine Stufe über Ramschniveau. Hinzu kommt die Abhängigkeit von einem einzigen Großkunden: Mehr als die Hälfte des offenen Auftragsvolumens von 638 Milliarden Dollar entfällt auf OpenAI, das selbst im Wettbewerb mit Anthropic zuletzt an Boden verloren hat. Technisch gilt die Aktie als stark überverkauft, sie notiert rund 30 Prozent unter ihrem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.

Analysten bleiben gespalten

Freedom Broker senkte sein Kursziel von 230 auf 210 Dollar, verwies dabei auf die Finanzierungsfragen, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Piper Sandler bleibt optimistischer und rechnet mit rund 2,2 Milliarden Dollar Umsatz aus der Cloud-Infrastruktursparte bis Fiskaljahr 2027, gestützt auf zusätzliche Rechenzentrumskapazität von 2.400 Megawatt.

Im operativen Geschäft läuft es unterdessen weiter rund: Der Einzelhändler Bealls Inc. steigerte seine Räumungsverkäufe um 25 Prozent, nachdem er auf Oracles KI-gestützte Preisoptimierung umgestiegen ist. Loews Hotels & Co erweitert parallel seine Plattform um zusätzliche Vertriebs- und Loyalty-Funktionen von Oracle Hospitality.

Die heutige CPI-Veröffentlichung dürfte zeigen, ob sich die Risikoaversion bei Technologiewerten fortsetzt oder abflaut. Für Oracle bleibt die Kernfrage bestehen, ob sich die milliardenschweren Investitionen in absehbarer Zeit in einen positiven Cashflow verwandeln – erst dann dürfte der Markt bereit sein, die operativen Erfolge wieder stärker einzupreisen.