Während Oracle-Aktionäre nach dem gestrigen Kursrutsch noch die Verluste verdauen, hält Guggenheim eisern an seiner bullischen Einschätzung fest. Das Analysehaus bekräftigte heute sein Kaufvotum mit einem Kursziel von 400 Dollar — und stuft Oracle weiterhin als „Best Idea“ ein.
Quartalszahlen gut, Ausblick teuer
Oracles Geschäftsergebnisse für das vierte Quartal des Fiskaljahres 2026 waren eigentlich stark. Der Umsatz kletterte um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar und übertraf damit leicht die Erwartungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,11 Dollar — deutlich über der Konsensschätzung von 1,96 Dollar. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen schnellten auf 638 Milliarden Dollar hoch, davon 67 Milliarden Dollar aus KI-Infrastrukturverträgen.
Was den Markt auf dem falschen Fuß erwischte: die Kapitalausgaben für das Fiskaljahr 2027. Oracle plant 90 bis 95 Milliarden Dollar — Wall Street hatte rund 68 Milliarden Dollar erwartet. Hinzu kommen geplante Finanzierungsmaßnahmen in Form von rund 20 Milliarden Dollar zusätzlicher Schulden sowie noch ausstehende Eigenkapitalmaßnahmen in ähnlicher Größenordnung. Kein Wunder, dass die Aktie nachbörslich zunächst um rund zehn Prozent einbrach.
Analystenlager gespalten
Das Bild unter den Analysten ist alles andere als einheitlich. Die Kursziele reichen von 215 bis 400 Dollar und spiegeln fundamental unterschiedliche Einschätzungen wider. Guggenheim setzt auf den mehrjährigen Wachstumspfad und lässt sich von den kurzfristigen Kapitalkosten nicht beirren. Wolfe Research hob sein Ziel auf 225 Dollar an und verwies auf das 92-prozentige Wachstum im Infrastructure-as-a-Service-Segment. Scotiabank dagegen senkte sein Ziel deutlich, weil der massive Kapitalaufwand nicht von entsprechend erhöhten Umsatzzielen begleitet wird.
Obendrein belastet ein Bericht, wonach OpenAI — einer von Oracles Ankerkunden beim KI-Infrastrukturaufbau — seine KI-Preise wegen verschärften Wettbewerbs deutlich senken könnte. Das nährt Zweifel, ob die enormen Investitionsversprechen der Hyperscaler langfristig tragfähig sind.
Was jetzt zählt
Für Oracle läuft es auf eine klassische Abwägung hinaus: Die Auftragslage ist außergewöhnlich stark, die Wachstumsdynamik im Cloud-Geschäft intakt. Aber der Preis dafür — steigende Verschuldung, verzögerte Eigenkapitalmaßnahmen und ein Capex-Pfad, der die Umsatzprognosen klar übersteigt — lässt Investoren rechnen. Die nächste belastbare Orientierung liefern die Erstquartalszahlen für das Fiskaljahr 2027, die Oracle bereits mit einer über den Konsens hinausgehenden Guidance eingeläutet hat.
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