Oracle notiert bei 118,66 Euro. Das sind 3,75 Prozent Verlust an einem Tag, 5,60 Prozent auf Wochensicht und 28,95 Prozent seit Jahresbeginn. Auslöser der jüngsten Talfahrt: eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, die zeigt, wie skeptisch Ratingagenturen Oracles KI-Investitionswelle inzwischen einschätzen.
S&P Global Ratings senkte das langfristige Emittentenrating von „BBB“ auf „BBB-„, der Ausblick bleibt stabil. Das kurzfristige Rating fiel von „A-2“ auf „A-3“. Die Aktie liegt damit nur noch 4,22 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief von 113,86 Euro. Der RSI von 28,5 signalisiert eine überverkaufte Lage.
Die entscheidende Frage
Kann Oracles operativer Cashflow die Investitionsausgaben einholen, bevor der Kreditpuffer aufgebraucht ist? Genau daran hängt die weitere Entwicklung.
S&P rechnet für das Geschäftsjahr 2027 mit Investitionsausgaben von 90 bis 95 Milliarden Dollar. Das Defizit beim freien operativen Cashflow soll sich auf rund minus 42 Milliarden Dollar ausweiten. Damit fast doppelt so hoch wie zuvor prognostiziert.
Die Verschuldungsquote könnte laut S&P im Geschäftsjahr 2027 in den mittleren 4x-Bereich klettern. Das gilt als Schwelle, die ein solides „BBB“-Rating kaum noch trägt. Eine weitere Herabstufung würde Oracle auf „BB+“ drücken — erstmals in der Firmengeschichte unterhalb von Investment Grade.
Das bullische Szenario
Ein Teil der Anleger blickt trotz der Herabstufung nach vorn. Im Zentrum steht der gewaltige Auftragsbestand aus Cloud-Verträgen von 638 Milliarden Dollar.
Die Wachstumszahlen stützen diese Sicht. Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Umsatz um 17 Prozent auf 67,4 Milliarden Dollar. Der Umsatz mit Cloud-Infrastruktur legte im vierten Quartal um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu.
Diese Zahlen nähren die These, dass hinter dem KI-Auftragsberg echte Nachfrage steckt — nicht nur wachsender finanzieller Druck. Das durchschnittliche Analysten-Kursziel liegt bei 220,64 Euro. Das wäre ein erhebliches Aufwärtspotenzial vom aktuellen Niveau, wobei solche Zielwerte auf unterschiedlichen Analystenannahmen beruhen und eher als Orientierung denn als exakte Prognose zu lesen sind.
Das bärische Szenario
Die Gegenseite sieht in der Herabstufung kein Einzelereignis, sondern ein Symptom einer wachsenden strukturellen Lücke. S&P begründete den Schritt mit steigendem Geschäftsrisiko und schwächerem Cashflow im Zuge des aggressiven Ausbaus der KI-Cloud-Infrastruktur.
Die Zahlen dahinter sind deutlich. Oracle gab im Geschäftsjahr 2026 rund 56 Milliarden Dollar für Infrastruktur aus — ein Anstieg von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der freie Cashflow blieb dennoch mit minus 23,7 Milliarden Dollar negativ, die Gesamtverschuldung lag zum 31. Mai bei 167,4 Milliarden Dollar.
Um diese Lücke zu schließen, setzt Oracle verstärkt auf den Aktienmarkt statt allein auf Schulden. Nach einer Pflichtwandelanleihe über 5 Milliarden Dollar im Februar 2026 plant der Konzern eine weitere Kapitalerhöhung von 20 Milliarden Dollar noch in diesem Kalenderjahr. In den kommenden drei Jahren sollen laut Unternehmensangaben zusätzlich mehrere Dutzend Milliarden Dollar hinzukommen.
Analysten schätzen, dass allein die geplante 20-Milliarden-Dollar-Kapitalerhöhung bestehende Aktionäre um bis zu 4,8 Prozent verwässern könnte. Das drückt auf den Wert je Aktie, selbst wenn das Geschäft wächst. Hinzu kommt eine hohe Kundenkonzentration: OpenAI steht für rund die Hälfte der noch nicht abgerechneten Auftragsverpflichtungen Oracles. Jeder Rückschlag auf dem Weg der KI-Branche zur Profitabilität würde Oracle damit überproportional treffen.
Ausblick
Oracles Kurs hat sich seit dem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro im September 2025 mehr als halbiert und liegt aktuell 28,35 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 165,62 Euro. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 48,25 Prozent zeigt: Der Markt ist sich über die Richtung alles andere als einig.
Solange sich die offenen Auftragsverpflichtungen schneller in abgerechneten, cashwirksamen Cloud-Umsatz verwandeln, als die Investitionen den operativen Cashflow überholen, bleibt die bullische These mit ihrem Blick auf den Auftragsbestand intakt — auch bei anhaltend hohen Kursschwankungen. Bewegt sich das Cashflow-Defizit dagegen in Richtung der von S&P skizzierten breiteren Spanne für das Geschäftsjahr 2027, wird weiterer Ratingdruck wahrscheinlicher. Das würde höhere Finanzierungskosten und zusätzliche Verwässerung nach sich ziehen und spräche gegen eine baldige Stabilisierung.
Die nächsten konkreten Signale liefern Oracles kommende Quartalszahlen. Dort dürfte sich zeigen, ob die aktualisierten Angaben zu Investitionsausgaben und Cashflow-Trends eher dem vorsichtigeren S&P-Szenario folgen oder der optimistischeren These rund um den Auftragsbestand. Zusätzlich lohnt ein Blick auf weitere Kommentare der Ratingagenturen zur Verschuldungsentwicklung.
Oracle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Oracle-Analyse vom 13. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Oracle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Oracle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 13. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Oracle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


