Oracle-Aktien legten am Dienstag um 4,95 Prozent zu und schlossen bei 111,60 Euro. Die Erholung folgt auf eine Phase extremer Schwankungen, die den Softwarekonzern erst am 17. Juli auf ein Mehrjahrestief von 105,10 Euro gedrückt hatte. Getragen wurde der Kurssprung von einer neuen Analystenstudie und Pflichtmitteilungen, die zunehmende Käufe institutioneller Investoren zeigen.
Mizuho sieht massives Aufholpotenzial
Die Investmentbank Mizuho veröffentlichte am Dienstag eine Studie, die den jüngsten Ausverkauf als attraktiven Einstiegspunkt einstuft. Oracle handle derzeit zum 14-fachen der für 2027 erwarteten Non-GAAP-Gewinne. Das sei ein deutlicher Abschlag gegenüber jedem vergleichbaren Cloud-Infrastruktur-Konkurrenten, so die Analysten.
Mizuho beziffert das Aufwärtspotenzial auf 164 Prozent gegenüber dem aktuellen Kursniveau. Als Gründe nennen die Analysten eine verbesserte Umsetzung bei der Kapazitätsumwandlung und mehr Klarheit bei den Finanzierungsplänen des Konzerns. Die Aktie hat seit Jahresbeginn zwar rund 33 Prozent verloren, doch das Wachstumsprofil liege weiterhin über dem vieler Branchenrivalen.
Rekordauftragsbestand trifft auf hohe Infrastrukturkosten
Der Kernkonflikt in Oracles Bewertung bleibt der Gegensatz zwischen einer riesigen Auftragspipeline und den hohen Kapitalanforderungen des KI-Zeitalters. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen, kurz RPO, erreichten zum Ende des Geschäftsjahres 2026 im Juni einen Rekordwert von 638 Milliarden Dollar. Treiber war die starke Nachfrage nach der Gen2-Cloud-Infrastruktur.
Dieses Wachstum hat allerdings seinen Preis. Die Investitionsausgaben stiegen im Geschäftsjahr 2026 auf 55,7 Milliarden Dollar. Das Ergebnis: ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar.
Diese Ausgabenwelle hat Kreditsorgen ausgelöst. S&P Global senkte die Kreditwürdigkeit von Oracle kürzlich auf BBB-. Die fünfjährigen Credit Default Swaps erreichten am Dienstag mit 203 Basispunkten einen historischen Höchststand.
Institutionelle Investoren kaufen trotz Volatilität zu
Trotz der Kreditprobleme nutzen große Investoren die niedrigeren Kursniveaus, um ihre Positionen auszubauen. Eine Pflichtmitteilung vom 21. Juli zeigt: Die Commerzbank Aktiengesellschaft FI erhöhte ihre Oracle-Position im ersten Quartal um 6,4 Prozent. Das Institut hält nun 178.435 Aktien im Wert von rund 26,25 Millionen Dollar zum Zeitpunkt der Meldung.
Der gesamte institutionelle Anteil an Oracle liegt aktuell bei 42,44 Prozent. Fonds wägen damit das langfristige KI-Potenzial gegen die kurzfristige Schuldenlast ab. Parallel dazu fährt Oracle interne Effizienzmaßnahmen: Der Konzern strich rund 21.000 Stellen, etwa 13 Prozent der globalen Belegschaft, im Zuge der Integration autonomer Software und KI-gestützter Automatisierung in den Rechenzentren.
Charttechnik zeigt tiefe Verwerfung
Der Kurssprung vom Dienstag hat die Aktie leicht aus der überverkauften Zone bewegt, der 14-Tage-RSI lag zuvor bei 33,5. Dennoch bleibt die Verwerfung tief: Oracle notiert noch immer rund 60 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 280,70 Euro vom 10. September 2025.
Auch gegenüber den gleitenden Durchschnitten zeigt sich der Abstand deutlich. Die Aktie liegt etwa 26 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und rund 31 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Investoren richten den Blick nun auf das nächste Quartalsupdate. Es soll zeigen, ob sich der Rekordauftragsbestand von 638 Milliarden Dollar tatsächlich in erfasste Umsätze verwandelt.
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