Oracle demonstriert an diesem Dienstag gleich doppelt technologische Schlagkraft — und bekommt zeitgleich vorgeführt, wo die Softwaregruppe angreifbar bleibt. Während der Konzern mit Java 27 ein zentrales Entwicklungswerkzeug modernisiert und im Gesundheitssektor einen weiteren Großkunden gewinnt, wirbt ein Drittanbieter offensiv darum, Firmen von Oracles Datenbank wegzuführen.
Java 27 setzt auf Quantensicherheit
Oracle hat die neue Version seiner Programmiersprache Java veröffentlicht. Java 27 bringt neun sogenannte JDK Enhancement Proposals mit, die vor allem zwei Themen bedienen: Sicherheit gegen künftige Quantencomputer-Angriffe und bessere Unterstützung für KI-Anwendungen.
Kernstück ist ein hybrides Schlüsselaustauschverfahren für TLS 1.3, das Unternehmen vor der Bedrohung schützen soll, verschlüsselte Daten heute abzugreifen, um sie später mit Quantencomputern zu entschlüsseln.
Parallel dazu bündelt Oracle mit Helidon 27, JavaFX 27 und Jipher 20 mehrere Werkzeuge für Microservices, Benutzeroberflächen und FIPS-konforme Verschlüsselung in seinem „Java Verified Portfolio“. Java bleibt damit ein Fixpunkt in Oracles Strategie, Cloud-Infrastruktur und Entwicklerwerkzeuge eng zu verzahnen — die Oracle Cloud Infrastructure ist laut Unternehmensangaben der erste Cloud-Anbieter, der die neue JDK-Version unterstützt.
Healthcare-Deal für den Gesundheitsbereich
Im Klinikgeschäft meldet Oracle einen weiteren Auftrag: Der US-Krankenhausbetreiber Quorum Health, der elf Akutkliniken in ländlichen Regionen betreibt, will seine komplette Technologielandschaft auf Oracle umstellen. Dazu gehören die elektronische Patientenakte Oracle Health EHR, ein klinischer KI-Agent zur Entlastung von Ärzten bei der Dokumentation sowie Lösungen für Abrechnung und Patientenportale.
Solche Abschlüsse zeigen, wie Oracle sein Cloud-Geschäft über die klassische Datenbank hinaus in regulierte Branchen wie das Gesundheitswesen trägt — ein Wachstumsfeld, das der Konzern seit der Übernahme von Cerner gezielt ausbaut.
Drittanbieter wittert Marktlücke
Gegenläufig dazu positioniert sich der Support-Dienstleister Spinnaker Support: Das Unternehmen hat neue PostgreSQL-Angebote gestartet, die Firmen explizit dabei helfen sollen, ihre Abhängigkeit von der Oracle-Datenbank zu verringern. Begründet wird der Vorstoß mit steigenden Kosten und Supportdruck bei Oracle-Datenbanklizenzen sowie der wachsenden Popularität von PostgreSQL als offener Alternative.
Spinnaker bietet dafür sowohl klassischen Support für bestehende Oracle-Umgebungen als auch Migrationsdienste an, die den Wechsel schrittweise und ohne neue Abhängigkeit zu einem anderen Anbieter ermöglichen sollen.
Der Vorstoß verdeutlicht ein strukturelles Spannungsfeld: Je stärker Oracle seine Cloud- und KI-Angebote ausbaut, desto attraktiver wird für kostensensible Kunden zugleich der Ausstieg aus dem traditionellen Datenbankgeschäft, das lange das Rückgrat des Konzerns bildete.
Für Oracle bleibt die Herausforderung damit zweigleisig: Neue Software-Releases und Cloud-Aufträge treiben das Wachstum, während im Kerngeschäft Datenbank die Konkurrenz durch günstigere Open-Source-Alternativen zunimmt.
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