TD Cowen hat gestern eine mögliche Kreditunterstützung durch Nvidia für Oracle ins Spiel gebracht. Sie könnte den kapitalintensiven Rechenzentrumsausbau erleichtern. Eine Vereinbarung gibt es allerdings nicht: Weder Oracle noch Nvidia haben die Überlegungen bestätigt. Für Anleger steht damit weiter die Frage im Mittelpunkt, wie Oracle sein starkes Cloud-Wachstum finanziert.

Nvidia als möglicher Finanzierungspartner

TD-Cowen-Analyst Michael Elias skizzierte mehrere Möglichkeiten. Nvidia könnte Garantien für Leasingzahlungen übernehmen oder Rechenzentrumsflächen selbst anmieten und anschließend an Oracle untervermieten. Umfang und Bedingungen einer solchen Unterstützung sind unbekannt. Oracle prüft dem Bericht zufolge auch Lieferantenfinanzierungen.

Die Überlegungen betreffen eine erhebliche Finanzierungslast. Medienberichten zufolge investierte Oracle im Quartal 28,5 Milliarden US-Dollar nach 8,5 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der um Sondereffekte bereinigte freie Cashflow lag bei minus 5,4 Milliarden US-Dollar.

Eine Garantie könnte die Finanzierung absichern. Sie wäre aber kein Beleg dafür, dass die zusätzlichen Kapazitäten bereits profitabel arbeiten. Genau diese Unterscheidung ist für die Bewertung wichtig: Finanzierungszugang und wirtschaftlicher Ertrag sind zwei verschiedene Fragen.

Zum 31. August bestanden außerdem weitere Leasingverpflichtungen von 288 Milliarden US-Dollar, überwiegend für Rechenzentren. Für das Geschäftsjahr 2027 plante Oracle die Aufnahme von rund 40 Milliarden US-Dollar über Schulden und Eigenkapital.

Wachstum trifft auf Umsetzungsrisiken

Dem hohen Kapitalbedarf steht ein kräftig wachsendes Geschäft gegenüber; besonders dynamisch entwickelte sich das Cloud-Infrastrukturgeschäft. Oracle muss dieses Wachstum jedoch mit dem Aufbau zusätzlicher Infrastruktur verbinden. Dabei zählen nicht nur Finanzierungskonditionen, sondern auch Genehmigungen und die rechtzeitige Fertigstellung.

Die Projektseite zeigt zugleich konkrete Risiken. Bei Project Jupiter in New Mexico berief sich Oracle auf höhere Gewalt, um sich bei Verzögerungen gegen Kostenforderungen abzusichern. Ein heute veröffentlichter Podcast von Motley Fool greift diesen Schritt auf. Die Aufnahme stammt allerdings bereits aus dem September; die Kommentatoren betonen, dass die Gründe unklar seien.

Das geplante Rechenzentrum soll 2028 in Betrieb gehen. Eine Tochter von Blue Owl entwickelt das Projekt; OpenAI und SoftBank unterstützen es. Oracle steigt einem weiteren Bericht zufolge nicht aus.

Der Genehmigungsstreit dauert an. Bloomberg Government berichtete gestern, dass die Umweltorganisationen New Energy Economy und Center for Biological Diversity ihre Klagen als Vorlage für Widerstand gegen weitere US-Rechenzentren betrachten. Nach eigener Darstellung erzielten sie gerichtliche Erfolge wegen Versäumnissen bei Umweltgenehmigungen.

Kaufempfehlung trotz hoher Finanzierungslast

Die Unsicherheit über Bau und Finanzierung führt nicht zwangsläufig zu einer negativen Analysteneinschätzung. Bank of America hält vielmehr an ihrer positiven Bewertung fest und setzt auf die längerfristige Gewinnentwicklung.

Das Haus bestätigte gestern seine Kaufempfehlung mit einem Zwölfmonatskursziel von 240 US-Dollar. Analyst Tal Liani hatte das Ziel im Juni angehoben. Grundlage war das 26,5-Fache der für das Kalenderjahr 2027 erwarteten Gewinne.

Entscheidend bleiben zwei Entwicklungen: Oracle muss das starke Cloud-Geschäft in Erträge überführen und zugleich den Ausbau finanzieren. Eine bestätigte Unterstützung durch Nvidia könnte den zweiten Punkt erleichtern. Bislang ist sie lediglich eine von TD Cowen diskutierte Möglichkeit – keine zugesagte Finanzierung.