Der Medizintechnik-Spezialist Ottobock rückt kurz vor der Veröffentlichung seiner Halbjahreszahlen wieder verstärkt in den Fokus der Anleger. Am 13. August wird das Unternehmen seine Bilanz für die ersten sechs Monate des laufenden Geschäftsjahres vorlegen. Der Markt erwartet Aufschluss darüber, ob die eingeschlagene Wachstumsstrategie und die jüngsten Portfolio-Anpassungen die operative Marge wie geplant vorantreiben können.

Umbau des Portfolios und Fokus auf das Kerngeschäft

In den vergangenen Monaten hat Ottobock konsequent an seiner strategischen Ausrichtung gefeilt. Ein zentraler Baustein war dabei der Verkauf der Rollstuhlsparte (Human Mobility) an DHCare, der am 19. Juni vertraglich besiegelt wurde. Der Bereich, der am Standort Königsee rund 250 Mitarbeiter beschäftigt und zuletzt einen Jahresumsatz von etwa 80 Millionen Euro erzielte, soll im zweiten Halbjahr 2026 vollständig übergehen.

Mit diesem Schritt trennt sich das Unternehmen von einem weniger margenstarken Segment, um Ressourcen für innovative Technologiefelder frei zu machen. Parallel dazu investiert Ottobock gezielt in Wachstumsmärkte. Am 7. Juli gab das Unternehmen die Übernahme des spanischen Anbieters Fesia Technology bekannt. Mit dieser Akquisition stärkt der Konzern seine Position im Bereich der Neuro-Orthetik. Bereits am 13. Mai wurde zudem die Übernahme von Blatchford Norway A/S für rund 110 Millionen Euro vollzogen, um die Präsenz in Nordeuropa auszubauen.

Quartalszahlen und Ausblick auf das Gesamtjahr

Die Basis für das laufende Jahr legte ein solider Auftakt im ersten Quartal. Wie Ottobock am 6. Mai berichtete, stiegen die Umsätze insgesamt um 3,4 Prozent auf 396 Millionen Euro. Besonders das Kerngeschäft erwies sich mit einem Zuwachs von 4,4 Prozent auf 378,4 Millionen Euro als wesentlicher Treiber. Das bereinigte EBITDA in diesem Segment legte deutlich um 11,8 Prozent zu.

Die entsprechende operative Marge im Kerngeschäft verbesserte sich damit auf 22,3 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 hat das Management ambitionierte Ziele formuliert: Das organische Umsatzwachstum im Kerngeschäft soll zwischen 5,0 und 8,0 Prozent liegen. Bei der Profitabilität peilt Ottobock eine bereinigte EBITDA-Marge von mehr als 26,5 Prozent an. Der anstehende Bericht am Donnerstag wird zeigen, wie nah das Unternehmen diesen Zielmarken nach sechs Monaten bereits gekommen ist.

Erholung an der Börse nach turbulenten Wochen

An der Börse zeigte der Kurs zuletzt eine deutliche Aufwärtstendenz. Allein in den vergangenen 30 Tagen verzeichnete die Aktie ein Plus von 16,67 Prozent. Am gestrigen Freitag schloss das Papier bei 58,10 Euro. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass das Vertrauen der Investoren nach einer schwierigen Phase im Frühjahr allmählich zurückkehrt.

Mitte Mai war das Unternehmen unter Druck geraten, als der Shortseller Grizzly Research einen kritischen Bericht veröffentlichte. Medienberichten zufolge wurden dem Mehrheitsaktionär darin Mittelentnahmen für private Zwecke vorgeworfen und der Unternehmenswert auf lediglich 30 Euro geschätzt. Ottobock wies diese Anschuldigungen am 20. Mai kategorisch zurück und prüfte rechtliche Schritte wegen des Verdachts auf Marktmanipulation. Die aktuelle Kursentwicklung scheint die Sorgen der Anleger zu relativieren, da sich die Notierungen deutlich von ihrem 52-Wochen-Tief bei 45,52 Euro abgesetzt haben.