Oxford Lane Capital sollte aus meiner Sicht stärker am bilanziellen Ertrag als an der hervorgehobenen Kernkennzahl gemessen werden. Die am Donnerstag veröffentlichten Ergebnisse für das zweite Geschäftsquartal 2027 zeigen eine erhebliche Differenz zwischen beiden Größen.

Zusammen mit dem gesunkenen Nettoinventarwert spricht das für eine vorsichtige Beurteilung. Die niedrigere Ausschüttung halte ich unter diesen Bedingungen für den vernünftigeren Kurs.

Der Kerngewinn verdient einen Gegencheck

Oxford Lane Capital meldete einen Kern-Nettoanlageertrag von 66,4 Millionen $ beziehungsweise 0,68 $ je Aktie. Der gesamte Anlageertrag betrug 82,2 Millionen $.

Für meine Bewertung zählt allerdings besonders, welcher Ertrag nach den bilanziellen Rechnungslegungsregeln ausgewiesen wird. Eine optimistische Einschätzung sollte sich daran messen lassen, ob auch diese Größe die wirtschaftliche Entwicklung überzeugend trägt.

Nach GAAP lag der Nettoanlageertrag bei 47,8 Millionen $ beziehungsweise 0,49 $ je Aktie. Damit fiel er niedriger aus als die Kernkennzahl.

Diese Differenz spricht aus meiner Sicht gegen eine Bewertung, die sich vor allem auf den höheren Kern-Nettoanlageertrag stützt. Wer Oxford Lane Capital beurteilt, sollte beide Ergebnisse nebeneinanderstellen. Ich würde der niedrigeren bilanziellen Größe dabei mehr Gewicht geben, solange sich die positive Einschätzung wesentlich auf den höheren Kernwert stützen müsste.

Auch die Entwicklung des Nettoinventarwerts verlangt Zurückhaltung: Er sank von 10,74 $ je Aktie Ende Juni auf 9,95 $ Ende September.

Für mich verschiebt das den Maßstab. Eine überzeugende Entwicklung müsste neben laufenden Erträgen auch eine stabilere Vermögensbasis erkennen lassen. Solange der Nettoinventarwert nachgibt, wiegt dieser Substanzverlust in meiner Beurteilung schwerer als das Argument einer hohen laufenden Auszahlung.

Weniger Auszahlung, klarerer Prüfmaßstab

Für Januar, Februar und März 2027 hat Oxford Lane Capital monatliche Ausschüttungen von jeweils 0,10 $ je Stammaktie erklärt. Zuvor betrug die monatliche Rate 0,20 $.

Die Halbierung ist für ausschüttungsorientierte Anleger einschneidend. Ich halte sie angesichts des rückläufigen Nettoinventarwerts dennoch für nachvollziehbar. Der geringere Mittelabfluss spricht für eine vorsichtigere Ausschüttungspolitik; positiv wäre diese vor allem dann zu bewerten, wenn sich zugleich die Vermögensbasis stabilisiert.

Daneben kündigte das Unternehmen am Mittwoch die Rückzahlung sämtlicher noch ausstehender Anleihen mit einem Nominalvolumen von 40.000.000 $ an. Die mit 5,00 % verzinsten und 2027 fälligen Papiere sollen am 4. Dezember 2026 zurückgezahlt werden.

Nach der Rückzahlung sollen die Anleihen vom Handel genommen werden. Für meine Gesamtbewertung bleibt jedoch die operative Messlatte entscheidend: Oxford Lane Capital müsste bilanziellen Ertrag und Substanzentwicklung stärker in Einklang bringen.

Unterm Strich verdient die vorsichtigere Ausschüttungspolitik Zustimmung, solange der Substanzdruck anhält. Eine freundlichere Bewertung würde für mich eine Stabilisierung des Nettoinventarwerts voraussetzen.