Palantir steht vor einem Montag, der die Richtung für Wochen vorgeben könnte. Der Optionsmarkt preist eine Kursbewegung von rund 11 Prozent nach den Quartalszahlen ein — eine der größten erwarteten Schwankungen des Jahres für das KI-Softwareunternehmen. Gleichzeitig widersprechen sich Charttechnik und Analystenmeinung so stark wie selten.
Die Aktie schloss am Freitag bei 106,82 Euro, ein Plus von 0,77 Prozent. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 1,20 Prozent. Der Blick auf die vergangenen zwölf Monate zeigt das eigentliche Ausmaß: Vom Rekordhoch bei 179,98 Euro trennen die Aktie inzwischen 40,65 Prozent.
Optionsmarkt erwartet Kursausschlag von 14 Dollar
Trader kalkulieren nach den Zahlen am 3. August mit einer Bewegung von etwa 14 Dollar je Aktie. Frühere Quartalsberichte lösten bereits Ausschläge von rund 7 Prozent in beide Richtungen aus. Der Bericht dürfte damit erneut ein entscheidender Kurstreiber werden.
Das Put-Call-Verhältnis für die am 7. August auslaufenden Kontrakte liegt bei 0,4 — ein klar bullisches Signal. Die Optionsmärkte kalkulieren einen möglichen Ausschlag bis 134 Dollar ein. Das entspräche einem Kurssprung von rund 10 Prozent nach den Zahlen.
Charttechnik warnt, Oszillatoren hoffen
Die technische Analyse zeichnet ein anderes Bild als der Optionsmarkt. Zwölf gleitende Durchschnitte signalisieren laut TipRanks aktuell „Strong Sell“ für die Palantir-Aktie. Der MACD-Indikator zeigt allerdings erste Anzeichen einer Stabilisierung — die Verkaufswelle könnte sich abschwächen.
Ein Blick auf den Williams %R-Indikator liefert ein Gegensignal: Der Wert liegt bei -87,95 und damit deutlich im überverkauften Bereich unterhalb der -80-Marke. Historisch folgt auf solche Werte häufig eine Erholung. Mit einem Abstand von 14,49 Prozent zum 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro bewegt sich die Aktie bereits in der Nähe dieser überverkauften Zone.
Wall Street bleibt trotz Kursverfalls optimistisch
Während die Charts Vorsicht signalisieren, bleiben die meisten Analysten bei ihrer positiven Einschätzung. Die Konsensbewertung lautet „Moderate Buy“, gestützt auf 15 Kaufempfehlungen, vier Halteempfehlungen und zwei Verkaufsvoten. Das durchschnittliche Kursziel von etwa 181 Dollar impliziert ein Aufwärtspotenzial von fast 50 Prozent.
Die Einzelmeinungen driften jedoch weit auseinander. Oppenheimer-Analyst Martin Yang bekräftigt sein Kaufvotum mit Kursziel 200 Dollar — ein Potenzial von 63,6 Prozent — und erwartet, dass Palantir die Umsatzerwartungen für das zweite Quartal übertrifft und die Jahresprognose anhebt. RBC-Analyst Rishi Jaluria sieht das genau gegenteilig: Er bezeichnet Palantir als teuersten Titel in seiner SaaS-Coverage, vergibt „Underperform“ und rechnet mit rund 26 Prozent Kursverlust, da wachsende KI-Konkurrenz das Wachstum in Regierungs- und Kommerzgeschäft gefährden könnte.
Die Bewertung bleibt der wunde Punkt
Selbst optimistische Analysten räumen ein: Die hohe Bewertung ist das eigentliche Risiko. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt aktuell bei rund dem 66-Fachen — deutlich niedriger als die über 100 zu Jahresbeginn, aber historisch immer noch in einer Zone, die sich laut Marktbeobachtern selten dauerhaft halten lässt. Jedes große Technologieunternehmen, das seit Mitte der 1990er-Jahre eine Innovationswelle anführte, sah solche Extrembewertungen irgendwann kollabieren.
Diese Bewertungsprämie hat bereits ein Muster geschaffen: starke Zahlen, schwacher Kurs. Nach den Ergebnissen zum ersten Quartal im Mai fiel die Aktie um 7 Prozent — obwohl Palantir die Erwartungen übertroffen hatte. Operative Stärke reicht offenbar nicht, wenn die Messlatte der Anleger noch höher liegt.
Was am Montag zählt
Der Konsens rechnet mit einem Quartalsumsatz von rund 1,80 Milliarden Dollar, ein Plus von 80 Prozent zum Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie soll auf 0,34 Dollar steigen — mehr als eine Verdopplung. Im Fokus stehen dabei besonders das US-Regierungsgeschäft und die kommerziellen Kunden, die von starker Nachfrage nach der KI-Plattform profitieren.
Mehrere Analysten erwarten zudem eine angehobene Jahresprognose. Mit einem Abstand von 5,91 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt von 113,52 Euro und 18,06 Prozent zum 200-Tage-Durchschnitt von 130,37 Euro notiert die Aktie klar unter ihren mittelfristigen Trendlinien. Der Bericht nach Börsenschluss am Montag wird zeigen, ob sich aus der Stabilisierung nahe dem Jahrestief ein echter Boden bildet — oder nur eine Verschnaufpause im Abwärtstrend.
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