AIPCon 10 war ein Schaufenster für Palantirs KI-Ambitionen — neue Partnerschaften, beeindruckende Wachstumszahlen, enthusiastische Kundendemonstrations. Der Kurs fiel trotzdem. Sieben Tage in Folge.
Mit 118,94 Euro notiert die Aktie rund 34 Prozent unter ihrem November-Hoch von 179,98 Euro und liegt seit Jahresbeginn fast 17 Prozent im Minus. Das Bild ist klar: Operativer Schwung und Kursentwicklung laufen gerade in entgegengesetzte Richtungen.
Konferenz mit Glanz, Kurs ohne Reaktion
Auf der zehnten AIPCon in Miami präsentierte Palantir am 4. Juni ein breites Spektrum an KI-Anwendungen. Kanzlei Kirkland & Ellis zeigte eine Enterprise-KI-Lösung für Private-Equity-Mandate, McCarthy Building Companies demonstrierte AIP-Einsatz auf Großbaustellen, und die USDA sowie Accenture traten ebenfalls als Referenzkunden auf.
Neu hinzu kommt GNP Seguros — Mexikos größter Versicherer und Palantirs erster öffentlich bestätigter Gewerbekunde in dem Land. Außerdem kündigte das Unternehmen die Integration von Googles Gemini-Modell in seine KI-Plattform an.
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Wedbush Securities blieb nach der Konferenz bei seiner „Outperform“-Einstufung und einem Kursziel von 230 Dollar. Die Analysten hoben Palantirs Forward Deployed Engineers hervor — Ingenieure, die direkt beim Kunden arbeiten und Lösungen in Echtzeit entwickeln. Wedbush sieht darin einen strukturellen Wettbewerbsvorteil.
Insider verkaufen, niemand kauft
Was die Stimmung belastet: In den vergangenen drei Monaten wurden Insideraktien im Wert von 132,8 Millionen Dollar verkauft — kein einziger Kauf steht dagegen.
CEO Alex Karp trennte sich am 20. Mai von knapp 400.000 Aktien, CTO Shyam Sankar verkaufte weitere 165.514 Aktien für rund 22,5 Millionen Dollar. Beide Transaktionen liefen über vorab festgelegte 10b5-1-Handelspläne, sind also nicht spontan — ändern aber nichts am Signal, das sie aussenden.
Analysten zwischen Überzeugung und Skepsis
Das Meinungsbild unter den 31 Analysten, die Palantir abdecken, ist gespalten: 19 empfehlen den Kauf, 10 votieren für Halten, 2 für Verkauf.
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HSBC senkte sein Kursziel deutlich auf 151 Dollar und verwies auf wachsenden Wettbewerb im KI-Software-Markt sowie sinkende Eintrittsbarrieren, die Palantirs Preissetzungsmacht langfristig unter Druck setzen könnten. Cantor Fitzgerald hält bei „Neutral“ mit einem Ziel von 138 Dollar, sieht aber gestiegenes Potenzial im KI-Wachstumstrend.
Zahlen stark, Erwartungen noch stärker
Die Fundamentaldaten liefern wenig Angriffsfläche. Im ersten Quartal 2026 erzielte Palantir 1,633 Milliarden Dollar Umsatz. Das US-Gewerbegeschäft wuchs um 133 Prozent auf 595 Millionen Dollar, der bereinigte freie Cashflow erreichte 925 Millionen Dollar bei einer Marge von 57 Prozent.
Das Management hob die Jahresprognose auf einen Mittelpunkt von 7,656 Milliarden Dollar an — nach eigenen Angaben die größte Anhebung in der Unternehmensgeschichte. Für das zweite Quartal erwartet Palantir zwischen 1,797 und 1,801 Milliarden Dollar Umsatz, was einem Wachstum von rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche.
Das Problem: Bei einer Bewertung, die solche Wachstumsraten bereits einpreist, reicht Erfüllung der Erwartungen kaum für Kursgewinne. Jede Verfehlung dagegen dürfte schmerzhaft ausfallen — und genau das macht die aktuelle Gemengelage so heikel. Die Q2-Zahlen sind bislang noch nicht offiziell terminiert.
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