Heute nach Börsenschluss legt Palantir seine Quartalszahlen vor. Die Aktie notiert vorher bei 108,86 Euro, ein Plus von 1,91 Prozent. Nach einem brutalen Jahr wirkt das wie eine kleine Verschnaufpause – mehr aber auch nicht.
Denn der eigentliche Konflikt bleibt ungelöst: Palantir liefert operativ stark, doch die Börse straft die Aktie trotzdem ab. Seit Jahresbeginn hat das Papier 30,72 Prozent verloren.
Zum Rekordhoch von 179,98 Euro vom 3. November 2025 fehlen inzwischen 39,52 Prozent.
Wachstum trifft auf Bewertungsangst
Genau diese Lücke zwischen Zahlen und Kurs treibt Investor Michael Burry an. Seine Kritik zielt nicht auf das Geschäft selbst, sondern auf den Preis, den der Markt dafür zahlt. Palantir handelt zu Multiplikatoren, die klassische Softwarekonzerne nie erreichen – gestützt von explosivem Wachstum im Kommerzgeschäft und steigenden operativen Margen.
Burry hat einen Teil seiner Short-Position inzwischen wieder reduziert. An seiner grundsätzlichen Skepsis scheint das aber wenig geändert zu haben.
Das Chartbild spiegelt diese Unsicherheit. Die Aktie liegt unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 113,32 Euro und ihrem 100-Tage-Durchschnitt von 117,86 Euro.
Zum 200-Tage-Durchschnitt von 130,10 Euro fehlen 16,32 Prozent. Ein RSI von 46,6 zeigt: weder überkauft noch überverkauft, sondern ein Markt im Wartemodus.
Die Optionsmärkte preisen für die heutigen Zahlen einen zweistelligen prozentualen Ausschlag ein – in welche Richtung, bleibt offen.
Zwei Motoren, ein Zweifel
Reicht ein Wachstum der US-Regierungsumsätze von 84 Prozent im ersten Quartal, um Anleger wie Burry zu überzeugen? Palantirs größte Umsatzquelle bleiben Regierungsverträge, und dieses Geschäft legt weiterhin kräftig zu. Eine endgültige Antwort liefert erst der heutige Abend.
Auf der kommerziellen Seite richtet sich der Blick auf die Software-Plattform AIP, die im ersten Quartal um 133 Prozent zulegte. Entscheidend ist, ob Unternehmenskunden jetzt vom Pilotprojekt in den echten Produktionsbetrieb wechseln. Genau das würde aus einem Hype-Thema ein wiederkehrendes, verteidigbares Umsatzmodell machen.
Diese Kombination – ein stabiler Regierungssockel, ein wachstumsstarkes Kommerzgeschäft – ist der Grund, warum Palantir längst zu einer Art Stellvertreter-Wette auf den gesamten KI-Trade geworden ist. Bullen sehen ein Unternehmen, das Erwartungen tatsächlich in Umsatz übersetzt. Bären sehen eine Bewertung, die über Jahre nahezu fehlerfreie Ausführung voraussetzt – und wenig Raum für Enttäuschungen lässt.
Erholt, aber nicht überzeugt
Von ihrem 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro, erreicht am 26. Juni 2026, hat sich die Aktie um 16,68 Prozent erholt. Das zeigt: Der freie Fall ist gestoppt. Die grundsätzliche Abwärtsbewegung ist damit aber nicht aufgehoben.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 158,17 Euro – rund 45,3 Prozent über dem aktuellen Niveau. Diese Diskrepanz zeigt, wie weit Markterwartungen und Kursrealität derzeit auseinanderliegen. Bei einer annualisierten Volatilität von 53,07 Prozent zählt Palantir ohnehin zu den nervösesten Großwerten am Markt.
Die Marktkapitalisierung von rund 255,72 Milliarden Euro macht deutlich, wie viel auf den heutigen Zahlen lastet. Palantirs Geschichte oszilliert zwischen KI-Infrastruktur-Gewinner und einer auf Perfektion getrimmten Bewertung. Ruhig dürfte der heutige Handelstag nach den Zahlen kaum verlaufen.
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