Rund 4,6 % gewannen die Amerikaner von Palantir am Donnerstag. Stark. Im Abwärtstrend ist das ein deutliches Signal vor einem wichtigen Hintergrund.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat eine wegweisende Richtungsentscheidung getroffen und setzt bei der Analyse komplexer Datenmengen künftig auf die französische Plattform ChapsVision statt auf den US-Anbieter Palantir. Mit dem Zuschlag für die Software ArgonOS zur Terrorabwehr bricht der deutsche Inlandsgeheimdienst mit der bisherigen Praxis und erteilt dem US-Datenriesen eine deutliche Absage. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren zunehmende Bedenken hinsichtlich der europäischen digitalen Souveränität sowie anhaltende politische Vorbehalte gegenüber der engen Verflechtung Palantirs mit amerikanischen Sicherheitsdiensten.
Der drohende Domino-Effekt in den Bundesländern
Für Palantir zieht diese Entscheidung des Bundes unmittelbare und potenziell gravierende Konsequenzen auf dem deutschen Markt nach sich. Bislang nutzen die Polizeibehörden in vier Bundesländern – Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg – die Palantir-Software „Gotham“. Da jedoch der Rahmenvertrag in Nordrhein-Westfalen bereits im kommenden Herbst ausläuft und das bayerische Abkommen im April 2027 endet, geraten die dortigen Behörden unter erheblichen Rechtfertigungsdruck. Die Entscheidung auf Bundesebene entfaltet eine massive Signalwirkung. Erste Landesinnenministerien äußerten bereits öffentlich die Absicht, nach Vertragsende auf gleichwertige europäische Lösungen umzusteigen, was Palantir wichtige Marktanteile im föderalen Sicherheitsapparat kosten dürfte.
Wachstumsbremse im kontinentaleuropäischen Regierungsgeschäft
Darüber hinaus geraten die Ambitionen des US-Konzerns auf Bundesebene weiter ins Stocken. Die noch ausstehende Beschaffungsentscheidung der Bundespolizei steht nun unter völlig veränderten Vorzeichen, da das Bundesinnenministerium zunehmend auf Distanz zu den Amerikanern geht. Während Palantir im angelsächsischen Raum, wie kürzlich beim britischen Gesundheitsdienst NHS, milliardenschwere Großprojekte gewinnt, verfestigt sich in Kontinentaleuropa eine Achse des Widerstands. Neben Frankreich und der Schweiz positioniert sich nun auch Deutschland klar gegen die Abhängigkeit von US-Anbietern im Bereich der kritischen Infrastruktur. Für Palantir bedeutet das den drohenden Verlust des Zugangs zu lukrativen, langfristigen Regierungsausschreibungen innerhalb der Europäischen Union.
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