Palantir übertrifft die eigenen Prognosen deutlich. Der Kurs reagiert trotzdem nur verhalten. Diese Lücke zwischen Geschäftszahlen und Aktienkurs ist derzeit das bestimmende Thema bei dem Datenanalyse-Konzern.

Am Montag stieg die Aktie um 2,42 Prozent auf 109,30 Euro. Auf Wochensicht bewegt sich der Titel damit kaum vom Fleck. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 30,44 Prozent zu Buche.

Management spricht von „außergewöhnlicher“ Nachfrage

Palantir hat im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street klar geschlagen. Das Management beschreibt die Nachfrage nach seinen Datenanalyse-Tools im Firmenkundengeschäft als „außergewöhnlich“. Entsprechend hob der Konzern seine Jahresprognose erneut an.

Beim bereinigten operativen Ergebnis rechnet Palantir nun mit 4,89 bis 4,91 Milliarden Dollar für das Gesamtjahr. Zuvor lag die obere Spanne bei 4,45 Milliarden Dollar. Beim Umsatz peilt der Konzern bis zu 8,16 Milliarden Dollar an – deutlich über den Analystenschätzungen von rund 7,7 Milliarden Dollar.

Der Gewinn je Aktie lag im Quartal bei 0,41 Dollar. Analysten hatten im Schnitt nur 0,33 Dollar erwartet. Im Vorjahresquartal waren es noch 0,16 Dollar gewesen.

Analysten bleiben trotz Kurszielsenkungen optimistisch

Vor den Zahlen war die Stimmung unter den Analysten gespalten. Oppenheimer erwartete ein Umsatzwachstum von rund 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr und bestätigte sein Kursziel von 200 Dollar bei der Einstufung „Outperform“. Citigroup senkte sein Kursziel von 225 auf 200 Dollar, verwies dabei auf die gesunkene Bewertungsprämie, hielt aber an der Kaufempfehlung fest.

Im breiten Marktvergleich bleibt das Bild positiv. Laut einer Umfrage von S&P Global unter 32 Analysten liegt das durchschnittliche Kursziel bei 182,20 Dollar – das wäre ein Aufschlag von 47,49 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Die Spanne der Einzelschätzungen reicht von 70 bis 255 Dollar und zeigt, wie unterschiedlich die Wall Street den Wert einschätzt.

Bewertung bleibt der Streitpunkt

Seit dem Rekordhoch im November hat die Aktie rund 40 Prozent an Wert verloren. Gleichzeitig meldet Palantir Quartal für Quartal Zahlen, die über den Prognosen liegen. Diese Diskrepanz wirft eine Frage auf: Bestraft der Markt hier eine eigentlich intakte Wachstumsstory, oder korrigiert er endlich eine Bewertung, die nie tragfähig war?

Befürworter verweisen auf die Profitabilität, die Palantir von vielen wachstumsstarken, aber verlustreichen Softwarekonkurrenten unterscheidet. Kritiker halten dagegen: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt weit über historischen Softwarenormen. Das lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen, sollte sich das Nachfragewachstum im Firmenkundengeschäft abschwächen.

Aktuell notiert die Aktie 3,55 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 113,33 Euro und 15,99 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 130,10 Euro. Die angehobene Prognose liefert den Optimisten neue Argumente. Ob sie ausreicht, um den Abwärtstrend der vergangenen Monate zu brechen, bleibt an den kommenden Handelstagen zu beobachten.