Palantir hat seine Hauptversammlung hinter sich — und das Management hat sie unbeschadet überstanden. Aktionäre stimmten gegen Anträge, die das Unternehmen zu mehr Transparenz bei politischen Ausgaben und zu unabhängigen Menschenrechtsprüfungen verpflichtet hätten. Norges Bank Investment Management, der Verwalter des norwegischen Staatsfonds, hatte sich zuvor für genau diese Initiativen ausgesprochen. Ohne Erfolg.
Governance-Druck bleibt bestehen
Die abgelehnten Anträge spiegeln eine wachsende Spannung zwischen Palantirs Gründerkontrolle und institutionellen Investoren wider. Kritiker bemängeln seit Jahren die Datenpraktiken des Unternehmens und die konzentrierte Macht der Gründer. Die Hauptversammlung hat diese Fragen nicht gelöst — sie hat sie nur vertagt.
FAA-Auftrag könnte an Konkurrenten gehen
Parallel dazu zeichnet sich ein Rückschlag im Kerngeschäft ab. Die US-Luftfahrtbehörde FAA steht kurz vor einer Entscheidung über ihr KI-gestütztes Flugsicherungssystem „SMART“. Berichten zufolge bevorzugt die Behörde derzeit den Bostoner Anbieter Air Space Intelligence gegenüber Palantir und dem französischen Konzern Thales. Eine Vergabe an ASI wäre ein spürbarer Verlust für Palantirs Ambitionen in der nationalen Infrastruktur.
Hinzu kommt regulatorischer Druck aus Europa. Der laufende Prüfprozess zum NHS-Vertrag im Wert von 441 Millionen Dollar belastet die Stimmung zusätzlich.
Aktie erholt sich — bleibt aber unter Druck
Die Aktie legte am Montag um knapp fünf Prozent auf 116,04 Euro zu. Das klingt nach Stärke, täuscht aber über die Lage hinweg. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 137,55 Euro — rund 15 Prozent über dem aktuellen Kurs. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von fast 19 Prozent.
Im Aktionärskreis zeigen sich derweil gegenläufige Bewegungen. Vanguard Personalized Indexing Management baute seine Position um rund 5,6 Prozent aus. Sands Capital Management stieg neu ein. Panagora Asset Management reduzierte seinen Anteil hingegen um etwa 7,3 Prozent.
Das Umsatzwachstum von 85 Prozent im letzten Quartal auf 1,63 Milliarden Dollar zeigt, dass das operative Geschäft läuft. Die Bewertung bleibt dennoch hoch — und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro macht deutlich, wie viel Vertrauen die Aktie seit November 2025 eingebüßt hat. Die FAA-Entscheidung dürfte ein erster konkreter Test sein, ob Palantir diesen Boden halten kann.
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