Starke Zahlen, aber der Kurs rutscht: Palantir steht nach dem dritten Quartal vor einem Widerspruch. Der Umsatz wuchs um 96 Prozent, dennoch gab die Aktie im vorbörslichen Handel rund sechs Prozent nach. Dazu kommt ein CEO, der ungewöhnlich scharf gegen Kritiker austeilt.
Umsatz top, Aufträge schwach
Der Umsatz stieg auf 2,31 Milliarden Dollar und lag klar über den erwarteten 2,18 Milliarden. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 0,44 Dollar, erwartet waren 0,41. Die bereinigte operative Marge kletterte auf rund 62 Prozent.
Erstmals übertraf das US-Geschäft mit Unternehmen die Regierungsumsätze. Es wuchs um 148 Prozent auf 984 Millionen Dollar, das Regierungsgeschäft verdoppelte sich auf 953 Millionen Dollar. Für das Gesamtjahr erwartet das Management nun rund 8,53 Milliarden Dollar Umsatz, zuvor waren es gut 8,15 Milliarden. Für das vierte Quartal peilt Palantir 2,65 Milliarden Dollar an.
Die Anleger schauen allerdings auf eine andere Zahl. Der gesamte Auftragswert stieg nur um 6 Prozent auf 2,92 Milliarden Dollar, im zweiten Quartal waren es noch 49 Prozent. Bei US-Firmenkunden fiel das Plus von 153 auf 11 Prozent.
Marktbeobachter sehen darin eine Lücke zwischen kräftigen Erlösen und schwächerem Neugeschäft. Das wirft Fragen zur Pipeline für 2027 auf. Auch Jefferies-Analyst Brent Thil verweist auf den Ausblick, der eine weitere Verlangsamung andeuten könnte.
Analysten bleiben überwiegend positiv
Die Kursziele fallen nach den Zahlen mehrheitlich höher aus. Das Bild bleibt jedoch breit gestreut:
- Truist: 250 Dollar
- Mizuho: 245 Dollar (Outperform bestätigt)
- Piper Sandler: 235 Dollar
- Morgan Stanley: 233 Dollar (Equalweight)
- RBC: 130 Dollar (Underperform)
Mizuho hebt hervor, dass Wachstum, Beschleunigung und Marge in dieser Größe im Softwaresektor einmalig seien. Mindestens ein Analyst stufte die Aktie dagegen auf „Hold“ ab, weil die Bewertung auch nach dem Rücksetzer überzogen wirke. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt über 150. Insider haben zudem in den vergangenen 90 Tagen Aktien für mehr als 97 Millionen Dollar verkauft.
Karps Schlussworte
Für Gesprächsstoff sorgte CEO Alex Karp. Er dankte Privatanlegern, die das Unternehmen gegen Angriffe verteidigt hätten. Diese sähen inzwischen „absurd dumm und böswillig“ aus. Er wolle sicherstellen, dass jene, die sich über Aktionäre und Unternehmen lustig gemacht hätten, dafür leiden müssten.
Der Gegenwind kommt nicht nur von Palantir selbst. Seit vergangener Woche stehen Technologiewerte wegen Sorgen vor einer KI-Blase unter Druck. Mitte Oktober hatte die Aktie mit knapp 213 Dollar ihr Rekordhoch erreicht, vorbörslich notiert sie nun bei gut 167 Dollar. Ob die Auftragsdelle ein Ausreißer war, zeigt sich mit den Zahlen zum vierten Quartal, für die Palantir 2,65 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht stellt.
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