Am Freitag gab die Palantir-Aktie in Deutschland kräftig nach, verlor -4,4 % und notiert nun bei 150,06 Euro. Das ist kein rundherum gutes Zeichen, aber kein Drama. In den USA war die Aktie zuvor um mehr als 7 % auf über 181 Dollar gestiegen.
Palantir: Noch hoch bewertet, aber schwankend
Der Kursverlauf zeigt, wie wenig sich die Anleger derzeit von Warnungen vor der hohen Bewertung beeindrucken lassen. Ausgerechnet Michael Burry, bekannt geworden durch seine Wette gegen den amerikanischen Immobilienmarkt vor der Finanzkrise, hat Palantir erneut ins Visier genommen.
Seine Rechnung ist drastisch. Burry hält bei Palantir einen Rückgang der Börsenbewertung um mehr als 75 % für möglich. Ausgangspunkt seiner Kritik ist eine Marktkapitalisierung, die zeitweise mehr als 400 Milliarden Dollar erreicht hat. Nach seiner Berechnung könnte eine wesentlich nüchternere Bewertung den Unternehmenswert unter 100 Milliarden Dollar drücken.
Burry richtet seinen Blick nicht nur auf das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis. Er kritisiert auch die Entwicklung der Forderungen. Diese sind von etwa 1,4 Milliarden Dollar auf rund 1,49 Milliarden Dollar gestiegen. Dazu kommt eine hohe Konzentration bei einzelnen Kunden. Ein Kunde soll zeitweise für rund 27 % bestimmter Forderungsbestände beziehungsweise Umsätze verantwortlich gewesen sein.
Die Börse sieht derzeit vor allem das Wachstum. Palantir hat seine Stellung im Geschäft mit künstlicher Intelligenz erheblich ausgebaut. Besonders stark wächst das US-Geschäft mit Unternehmen. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz im US-Commercial-Bereich um 149 % gegenüber dem Vorjahr. Die Zahl der US-Unternehmenskunden nahm um 35 % zu.
Der Gesamtumsatz erreichte im Quartal rund 1,94 Milliarden Dollar und lag damit 93 % über dem Vorjahreswert. Das US-Geschäft kam auf rund 1,57 Milliarden Dollar und wuchs um 115 %. Allein mit amerikanischen Unternehmen setzte Palantir etwa 764 Millionen Dollar um.
Auch das Geschäft mit der US-Regierung wächst kräftig. Dort erreichte der Umsatz rund 809 Millionen Dollar, ein Plus von 90 %. Das Management hat deshalb die Erwartungen für das Gesamtjahr deutlich angehoben. Palantir rechnet inzwischen mit einem Umsatz zwischen 8,15 und 8,158 Milliarden Dollar. Der bereinigte freie Cashflow soll 4,5 bis 4,7 Milliarden Dollar erreichen.
Diese Zahlen erklären, weshalb Anleger eine Bewertung akzeptieren, die bei klassischen Softwareunternehmen kaum vorstellbar wäre. Palantir wird nicht nach dem heutigen Gewinn bewertet, sondern nach der Erwartung, dass das Unternehmen über Jahre mit sehr hohen Raten wächst.
Burry hält genau diese Erwartung für gefährlich. Seine Kritik richtet sich gegen eine Börse, die KI-Unternehmen aus seiner Sicht Preise zugesteht, die nur bei außergewöhnlichem Wachstum über viele Jahre zu rechtfertigen wären.
Dennoch: Analysten haben wesentlich höhere Kursziele auf dem Zettel!
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