Das US-Verteidigungsministerium macht das KI-System Maven zum offiziellen Standardprogramm und sichert Palantir damit langfristige Militärbudgets. Trotz dieses massiven Vertrauensbeweises reagiert der Markt unterkühlt. Der Grund liegt in einer historischen Anomalie: Die aktuelle Bewertung des Softwarekonzerns lässt selbst die wildesten Zeiten der Dotcom-Blase blass aussehen.

Militär-Deal mit Nebengeräuschen

Das Pentagon befördert Palantirs Zielerfassungs-Software Maven zum sogenannten „Program of Record“. Damit fließen künftig stabile, langfristige Gelder statt kurzfristiger Überbrückungsverträge. Die Zuständigkeit wechselt innerhalb von 30 Tagen direkt zum Chief Digital Artificial Intelligence Office des Verteidigungsministeriums, während die US-Armee die künftige Vertragsabwicklung übernimmt.

Allerdings bringt die tiefergehende Integration neue Herausforderungen mit sich. Das System nutzt die KI „Claude“ des Entwicklers Anthropic. Genau dieses Start-up stufte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kürzlich als Risiko für die Lieferkette ein, nachdem es Garantien gegen den Einsatz bei autonomen Waffen gefordert hatte. Zusätzlich warnen UN-Experten vor ethischen Risiken durch KI-gestützte Zielerfassung, auch wenn Palantir betont, dass Menschen die finale Entscheidung treffen. Abseits des Militärgeschäfts sieht sich das Unternehmen in der Schweiz zudem mit einer Klage gegen das Magazin Republik konfrontiert, nachdem Schweizer Behörden Palantir zuvor mehrfach wegen Bedenken bei Datensouveränität und Reputationsrisiken abgelehnt hatten.

Historische Fallhöhe

Die verhaltene Marktreaktion nach Börsenschluss am Freitag, als das Papier mit einem Minus von 2,49 Prozent bei 130,72 Euro aus dem Handel ging, spiegelt ein tieferliegendes Problem wider. Palantir ist derzeit das mit Abstand teuerste Unternehmen im S&P 500. Mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 87 bewegt sich der Konzern in extrem seltenem Terrain.

Laut einer Analyse von WisdomTree erreichten historisch nur sehr wenige Index-Mitglieder ein KUV von über 100 – fast alle während der Dotcom-Blase. Zum Vergleich: Der durchschnittliche S&P-500-Konzern wird aktuell mit dem Dreifachen seines Umsatzes bewertet. Die Statistik für derart hoch bewertete Papiere ist ernüchternd. Von 231 Unternehmen, die in der Vergangenheit ein KUV von 25 erreichten, schlugen auf Sicht von drei Jahren nur neun Prozent den breiten Markt.

Fundamentaldaten vs. Erwartungen

Dabei wächst das zugrundeliegende Geschäft rasant. Die Diskrepanz zwischen operativer Stärke und der enormen Erwartungshaltung zeigt sich an den jüngsten Geschäftszahlen für Ende 2025:

  • Umsatzwachstum (Q4): +70 % auf 1,407 Milliarden US-Dollar
  • US-Geschäftskunden: +137 % im Jahresvergleich
  • Vertragsvolumen (Gesamtjahr): +138 % auf 4,3 Milliarden US-Dollar
  • Umsatzprognose 2026: 7,18 bis 7,20 Milliarden US-Dollar

Das Management liefert genau das geforderte Wachstum. Dennoch notiert der Titel seit Jahresbeginn im Minus und hat vom Allzeithoch deutlich korrigiert.

Selbst bei einer plötzlichen Halbierung des Aktienkurses gehörte Palantir historisch betrachtet immer noch zu den 150 teuersten S&P-500-Unternehmen. Das verdeutlicht, wie viel Perfektion bereits im aktuellen Kurs eingepriesen ist. Die nächste konkrete Bewährungsprobe für diese extremen Wachstumserwartungen liefert das Unternehmen am 11. Mai 2026 mit der Präsentation der neuen Quartalszahlen.