Eine neue strategische Partnerschaft mit Nvidia befeuert den Kurs von Palantir. Parallel dazu spekulieren Marktbeobachter über einen Einstieg aus dem Umfeld von Donald Trump. Die Aktie legte in den vergangenen sieben Tagen um gut zwölf Prozent zu. Aktuell notiert das Papier bei 111,64 Euro.

Der mittelfristige Trend spricht eine andere Sprache. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von rund 22 Prozent auf der Kurstafel. Zum Rekordhoch aus dem November 2025 fehlen fast 38 Prozent. Die jüngste Erholung markiert einen Scheideweg. Investoren müssen nun bewerten, ob eine echte Trendwende vorliegt oder lediglich ein kurzes Aufbäumen in einem intakten Abwärtstrend.

Die strukturelle Bewertungsfrage

Der Markt fordert eine klare Antwort auf das immense Bewertungsniveau. Kein Wunder. Palantir trägt das höchste Bewertungsverhältnis unter den großen Softwarekonzernen. Der aktuelle Kurs setzt eine makellose operative Entwicklung voraus, was Investoren nervös macht. Sie verkaufen oft selbst nach hervorragenden Quartalszahlen. Diese Dynamik bestimmt den kommenden Berichtszyklus maßgeblich.

Das Bullen-Szenario

Die fundamentale Wachstumsgeschichte gewinnt weiter an Tempo. Der US-Umsatz wuchs im Jahresvergleich um 104 Prozent auf 1,28 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz kletterte zeitgleich auf 1,63 Milliarden US-Dollar.

Das Management hat die Prognosen entsprechend nach oben geschraubt. Der Vorstand erwartet für das Gesamtjahr 2026 nun einen Jahresumsatz von knapp 7,66 Milliarden US-Dollar. Im US-Geschäft kalkuliert das Unternehmen mit einem Wachstum von mindestens 120 Prozent.

Auch die Profitabilität stützt den Optimismus. Die bereinigte operative Marge lag zuletzt bei 60 Prozent. Der bereinigte operative Gewinn belief sich auf 984 Millionen US-Dollar.

Bemerkenswert ist die operative Effizienz. Der sogenannte Rule-of-40-Wert erreichte zuletzt beeindruckende 145 Prozent. Zwei Jahre zuvor lag diese Kennzahl noch bei 64 Prozent.

Das Bären-Szenario

Gegner der Aktie verweisen auf die ausgereizte Bewertung. Das extreme Bewertungsverhältnis bleibt trotz steigender Margen ein Problem. Selbst eine außergewöhnliche operative Leistung treibt den Kurs kaum noch an. Die Folge: Jeder neue Rekordwert erfüllt lediglich die ohnehin enormen Erwartungen. Frisches Aufwärtspotenzial entsteht dadurch kaum.

Dazu kommen handfeste Risiken auf der Kostenseite. Palantir muss massiv investieren, um das rasante Wachstum zu halten. Die bereinigten Ausgaben stiegen im jüngsten Quartal um 32 Prozent auf 649 Millionen US-Dollar. Der Konzern steckt das Geld vor allem in seine KI-Plattform und neues Fachpersonal.

Hinzu kommt die Unsicherheit bei Regierungsaufträgen. Staaten bevorzugen bei neuen Verträgen zunehmend heimische Anbieter. Das gefährdet die Langlebigkeit der Palantir-Aufträge im öffentlichen Sektor. Auch das Chartbild warnt zur Vorsicht. Die Aktie notiert gut 17 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Dieser verläuft aktuell bei 134,60 Euro.

Ausblick und nächster Katalysator

Solange das Umsatzwachstum beschleunigt, behält das Bullen-Szenario seine Anhänger. Ein nachlassendes Wachstum im kommerziellen Geschäft würde die Aktie jedoch hart treffen. Dann droht ein schneller Rückfall in Richtung des 52-Wochen-Tiefs von 93,30 Euro.

Der nächste große Katalysator ist der Bericht zum abgelaufenen Quartal. Palantir veröffentlicht die Zahlen voraussichtlich im dritten Quartal 2026. Der Vorstand rechnet mit einem Umsatz von bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte operative Gewinn soll bei etwa 1,06 Milliarden US-Dollar liegen.

Bis zur Veröffentlichung dürfte die Aktie extrem volatil bleiben. Charttechniker achten nun genau auf den 50-Tage-Durchschnitt bei 115,33 Euro. Ein nachhaltiger Ausbruch über diese Marke entscheidet über den weiteren mittelfristigen Trend.