Ein Quartalsbericht, der die gesamte KI-Branche aufatmen lässt: Palantir hat am Dienstag mit Zahlen überrascht, die selbst optimistische Erwartungen weit übertrafen. Die Aktie sprang um fast 30 Prozent nach oben und markierte mit 164,52 Dollar den höchsten Stand seit Anfang Februar. Nach Wochen wachsender Zweifel an der Rentabilität von KI-Investitionen war das genau das Signal, auf das der Markt gewartet hatte.

Umsatz fast verdoppelt

Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal um 93 Prozent auf rund 1,94 Milliarden Dollar — deutlich über den Erwartungen der Analysten. Besonders das Commercial-Geschäft überraschte: Hier wuchsen die Erlöse um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar. Das Geschäft mit Regierungskunden legte um 90 Prozent auf 809 Millionen Dollar zu.

CEO Alex Karp hob die Jahresprognose kräftig an. Statt der zuvor avisierten 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar erwartet Palantir nun einen Jahresumsatz zwischen 8,15 und 8,16 Milliarden Dollar. Karp bezeichnete das Quartal als „überirdisch“ und sprach von einer „souveränen KI-Revolution“, die gerade erst richtig beginne.

Hinter der Wortwahl steckt eine klare These: Unternehmen wollen ihre Daten nicht in die Hände großer Sprachmodell-Anbieter wie OpenAI, Google oder Anthropic legen. Karp beschrieb seine Kunden als Organisationen, die sich weigern, „Vasallenstaaten der Sprachlabore“ zu werden — eine pointierte Formulierung, die zugleich Palantirs Geschäftsmodell erklärt. Wer Kontrolle über seine Datenflüsse behalten will, landet bei Systemen wie denen von Palantir.

Analysten korrigieren ihre Ziele

Die Reaktion der Wall Street fiel entsprechend deutlich aus. UBS-Analyst Karl Keirstead hob sein Kursziel auf 220 Dollar an — ein Niveau, das ein neues Rekordhoch bedeuten würde. Das bisherige Allzeithoch von 207,52 Dollar stammt aus dem November. Bank of America wertete die Ergebnisse als Bestätigung der Palantir-Strategie rund um „souveräne KI“, gestützt auf jahrzehntelange Erfahrung im Bereich nationaler Sicherheit. Citi-Analysten sahen in den Zahlen ein Argument gegen die These wachsender Konkurrenz durch andere KI-Anbieter und rechnen mit weiterem Kurspotenzial durch die Erholung im US-Commercial-Geschäft.

Vor dem Kurssprung lag die Aktie im laufenden Jahr noch rund 29 Prozent im Minus — ein Ausdruck der Skepsis, die sich seit Juli rund um überzogene KI-Bewertungen aufgebaut hatte. Mit dem Dienstagssprung hat Palantir einen Großteil dieses Verlusts wieder wettgemacht.

Sollte der Schlusskurs mehr als 30,8 Prozent über dem Vortagsniveau liegen, wäre es der beste Handelstag in der Firmengeschichte. Die kommenden Handelstage werden zeigen, ob sich die neu gewonnene Dynamik am Markt festigt oder ob die Skepsis rund um KI-Bewertungen zurückkehrt.