Palantir bleibt ein Aktienpapier voller Widersprüche. Die einen loben das beste Produkt-Markt-Fit unter allen Enterprise-Software-Firmen. Die anderen warnen vor einer Bewertung, die kaum noch Luft nach oben lässt.
Am Freitag schloss die Aktie bei 115,78 Euro, ein Minus von 1,50 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 4,25 Prozent zu Buche. Die Kursentwicklung bleibt damit typisch für ein Papier, das Anleger seit Monaten zwischen Euphorie und Skepsis hin- und herreißt.
KI-Partnerschaften treiben die Erzählung
Der Kurs hatte sich in den vergangenen Wochen deutlich vom Junitief erholt. Ein wichtiger Treiber: die Partnerschaft mit Nvidia für souveräne KI-Infrastruktur, die laut Berichten auch die Entscheidungsfähigkeit des US-Militärs stärken soll. Dieses Thema dominierte die Berichterstattung über Palantir den gesamten Juli hindurch.
Auch im Firmenkundengeschäft tut sich etwas. Palantir und Rackspace haben ein gemeinsames Betriebsmodell für den produktiven KI-Einsatz angekündigt. Das reiht sich ein in eine Serie von Firmenkunden-Deals, die Palantir zuletzt abgeschlossen hat. Parallel kursierten Aussagen eines Palantir-Managers zu chinesischen KI-Modellen, deren genauer Wortlaut allerdings unklar blieb.
Wolfe Research: Bestes Produkt, aber teuer
Die Bewertungsdebatte um Palantir hat mit dem jüngsten Analysten-Kommentar von Wolfe Research neue Nahrung bekommen. Die Investmentbank nennt Palantir das Unternehmen mit dem besten Produkt-Markt-Fit im gesamten Enterprise-AI-Segment. Ein Kursziel liefert Wolfe dazu aber nicht — stattdessen bleibt es bei „Neutral“.
Die Begründung ist bemerkenswert. Wolfe sieht in Palantirs KI-Plattform, der Ontologie-Technologie und den sogenannten Forward Deployed Engineers den Beweis, dass das Unternehmen KI-Interesse tatsächlich in skalierte Kundenakzeptanz verwandeln kann. Trotzdem reicht es nur für „Neutral“ — die aktuelle Bewertung spiegele das verbesserte Wachstums- und Margenprofil bereits weitgehend wider, so die Analysten. Hinzu kommt ein happiger Kontext: Die Aktie hatte 2026 zeitweise einen Kursrutsch von 26 Prozent hinter sich.
Insider verkaufen planmäßig
Auch Insider-Transaktionen sorgten zuletzt für Aufmerksamkeit. Am 2. Juli verkaufte ein Trust, der mit Palantir-Manager Shyam Sankar verbunden ist, 150.000 Aktien der Klasse A im offenen Markt. Die Transaktion lief über einen bereits bestehenden Handelsplan nach Rule 10b5-1.
Sankar selbst wandelte zudem 35.000 Aktien der Klasse B in Klasse-A-Aktien um und verkaufte diese sofort. Solche Trades sind bei Führungskräften mit vorab festgelegten Handelsplänen üblich. Bei einem derart hoch bewerteten Papier wie Palantir behalten Investoren solche Bewegungen dennoch genau im Blick.
Charttechnik: Support hält, Widerstand bleibt fern
Der Freitagsschluss von 115,78 Euro liegt knapp über dem 50-Tage-Durchschnitt von 114,62 Euro — dieser Bereich hat zuletzt als kurzfristige Unterstützung fungiert. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 132,62 Euro fehlen der Aktie dagegen fast 13 Prozent, ein Hinweis auf die Tiefe des vorangegangenen Rückgangs.
Der RSI von 53,8 zeigt weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Die Aktie könnte sich also in beide Richtungen bewegen. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von knapp 49 Prozent bleibt Palantir eines der spekulativsten Schwergewichte im Softwaresektor.
Konkrete Termine, die den Kurs kurzfristig bewegen könnten, stehen momentan nicht an. Der Fokus dürfte daher auf der Stabilität der Vertragspipeline liegen — sowohl im Regierungsgeschäft rund um die Nvidia-Kooperation als auch bei den laufenden Firmenkunden-Partnerschaften. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob das von Wolfe Research attestierte Wachstums- und Margenprofil sich in harten Umsatzzahlen niederschlägt.
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