Ausgangslage

Palantir steht nach einem starken Lauf an einem Punkt, an dem Anleger neu bewerten müssen, ob die Rekordbewertung noch von der operativen Realität gedeckt ist.

Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen um 50% zugelegt und notiert am Freitag bei 160,88 Euro, ein Plus von 0,8% auf Tagessicht. Zum 52-Wochen-Hoch von 179,98 Euro, erreicht am 3. November, fehlen noch 11%, gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt liegt der Kurs jedoch 24% im Plus.

Der RSI von 69,1 signalisiert eine bereits überkaufte Lage. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, ob das im August berichtete Momentum um das Rüstungsgeschäft mit dem Maven Smart System operativ nachgeliefert werden kann oder ob die Bewertung der Realität vorausläuft.

Der Analyst Louie DiPalma von William Blair bekräftigte am 26. August seine Kaufempfehlung und verwies darauf, dass das Maven Smart System auf Kurs liege, eine jährliche Umsatzrate von 1 Milliarde Dollar zu erreichen. Das ist die aktuellste belastbare Einschätzung zum Kerngeschäft und liefert den unmittelbaren Anlass für die Neubewertung.

Die entscheidende Frage

Der zentrale Faktor für die kommenden Monate ist, wie verlässlich sich die im März dieses Jahres vom Pentagon vollzogene Umwandlung des Maven Smart System in ein reguläres Haushaltsprogramm in tatsächliche, mehrjährige Auftragsvolumina übersetzt.

Bereits im März hatte der stellvertretende Verteidigungsminister Steve Feinberg das System offiziell zum Programm mit regulärem Budgetstatus erklärt – ein Schritt, der die Finanzierung planbarer macht als projektbezogene Einzelaufträge.

Laut einem Bericht von Federal News Network wies Feinberg das Pentagon zudem an, bis Ende März 2027 bis zu 244 Millionen Dollar für Palantir-Dienstleistungen bereitzustellen und für den Zeitraum April 2027 bis Dezember 2028 zusätzliche Mittel für die Zusammenarbeit mit Palantir einzuplanen.

Für das Haushaltsjahr 2027 sind laut Berichten über einen Zeitraum von fünf Jahren 2,3 Milliarden Dollar für das Maven Smart System und das Joint Fires Network vorgesehen. Ob diese Budgetlinien tatsächlich in vollem Umfang fließen, entscheidet, ob das von DiPalma skizzierte Milliarden-Ziel beim wiederkehrenden Umsatz tragfähig ist oder eine optimistische Projektion bleibt.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die operative Dynamik der jüngsten Quartalszahlen: Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 93% auf 1,94 Milliarden Dollar, das US-Geschäft mit Regierungsbehörden legte um 90% auf 809 Millionen Dollar zu.

Palantir selbst hob die Jahresprognose für 2026 auf einen Umsatz von 8,150 bis 8,158 Milliarden Dollar an und erwartet für das US-Firmenkundengeschäft ein Wachstum von mehr als 134%.

Setzt sich dieses Tempo fort und fließen die angekündigten Pentagon-Budgetlinien wie geplant, dürfte der als Programm mit regulärem Haushaltsstatus verstetigte Maven-Vertrag zu einem stabilen, mehrjährigen Umsatzfundament werden.

Der Analyst Arvind Ramnani von Truist Securities bekräftigte am 25. August seine Kaufeinschätzung mit einem Kursziel von 223 Dollar – ein Hinweis darauf, dass Teile der Analystengemeinde noch deutliches Aufwärtspotenzial sehen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Diskrepanz zwischen Bewertung und Wachstumsverstetigung. Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 100% und einem überkauften RSI-Niveau ist die Aktie anfällig für scharfe Rückschläge, sollte sich das Tempo der Auftragsvergabe verlangsamen oder politische Haushaltsdebatten die für 2027 und 2028 vorgesehenen Mittel verzögern.

Zusätzlich fällt auf, dass der Insider Jeffrey Buckley am 20. und 21. August wiederholt Aktien verkaufte, insgesamt für rund 577.000 Dollar, wenn auch im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans zur Deckung steuerlicher Verpflichtungen aus Aktienvergütungen.

Solche Verkäufe sind rechtlich unauffällig, doch sie unterstreichen, dass ein Teil der Bewertung auf Erwartungen ruht, die noch nicht vollständig durch feste Auftragsvolumina abgesichert sind.

Ausblick

Solange die Pentagon-Budgetlinien für 2027 wie skizziert fließen und Palantir sein Umsatzwachstum im US-Regierungs- und Firmenkundengeschäft nahe der zuletzt gemeldeten Raten hält, bleibt das bullische Szenario intakt und die aktuelle Bewertung erscheint durch operative Substanz gestützt.

Kippt hingegen die Verlässlichkeit der mehrjährigen Militärfinanzierung, etwa durch politische Verzögerungen bei den für 2027 bis 2028 vorgesehenen Mitteln, oder verlangsamt sich das kommerzielle Wachstum unter die avisierte Schwelle von 134%, dürfte die überkaufte technische Lage schnell in eine Korrektur umschlagen.

Der nächste konkrete Prüfstein für Anleger sind die für Q3 2026 von Palantir selbst avisierten Zahlen mit einer Umsatzspanne von 2,160 bis 2,164 Milliarden Dollar sowie einem erwarteten bereinigten operativen Gewinn zwischen 1,292 und 1,296 Milliarden Dollar.