Nach US-Börsenschluss legt Palo Alto Networks heute die Zahlen zum vierten Quartal 2026 vor. Umsatz und Gewinn dürften wenig überraschen. Kursentscheidend wird eine einzige Kennziffer, die noch niemand kennt — und die zeigt, ob das Wachstum wirklich aus eigener Kraft kommt.
Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 107 Prozent zugelegt. Der Konsens erwartet 0,98 Dollar Gewinn je Aktie und 3,35 Milliarden Dollar Umsatz, am oberen Rand der eigenen Prognosespanne. Beim Umsatz entspräche das einem Plus von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, beim Gewinn nur gut drei Prozent — die Schere erklärt sich durch die milliardenschwere CyberArk-Übernahme, die den Gewinn auf mehr Aktien verteilt.
Warum das NGS ARR den Ausschlag gibt
Die eigentlich spannende Zahl ist das NGS ARR, also die auf zwölf Monate hochgerechneten wiederkehrenden Erträge aus dem Abo-Geschäft. Im dritten Quartal war dieser Wert um 60 Prozent gesprungen — ohne die Zukäufe CyberArk und Chronosphere blieben davon nur 28 Prozent organisches Wachstum übrig. Genau dieser bereinigte Wert kommt heute Abend erstmals für das aktuelle Quartal.
Fällt die erste NGS-ARR-Prognose für 2027 über 22,1 Prozent aus, dürfte das den Vorwurf entkräften, das Wachstum sei lediglich gekauft. Zusätzlichen Rückenwind lieferten Synergien bei CyberArk, die nach Unternehmensangaben drei bis sechs Monate vor Plan liegen.
Gegen die Aktie spricht das happige KGV von 91 auf die erwarteten Gewinne — da genügt bereits eine vorsichtige Prognose, um Enttäuschung auszulösen. Vorstandschef Nikesh Arora hatte im Juni vor überzogenen Erwartungen an die Sicherheitsbudgets der Kunden gewarnt. Hinzu kommt ein operativer Verlust nach US-Bilanzrecht von 183 Millionen Dollar im dritten Quartal, eine Folge der Abschreibungen auf den CyberArk-Kaufpreis.
Der Vergleich mit CrowdStrike
Konkurrent CrowdStrike hatte für denselben Stichtag, den 31. Juli, bereits berichtet: Umsatz plus 26 Prozent, Abo-Erlöse plus 25 Prozent auf 5,84 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen wachsen derzeit schneller als zuvor — ein Branchentrend. Der Unterschied: CrowdStrike wuchs aus eigener Kraft, während bei Palo Alto Networks ein erheblicher Teil des Wachstums aus zugekauftem Geschäft stammt.
Der Optionsmarkt preist für die Reaktion nach den Zahlen eine Kursbewegung zwischen 8,6 und 11 Prozent ein — deutlich mehr als der historische Median von rund sechs Prozent. Bemerkenswert: In den vergangenen drei Quartalen fiel die Aktie jeweils nach der Vorlage, obwohl die Schätzungen übertroffen wurden. Ein reiner Ergebnis-Beat allein dürfte diesmal also kaum reichen.
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