Während sich die Kurskapriolen der insolventen Immobiliengruppe fortsetzen, rückt ein anderer Akteur in den Vordergrund: der vorläufige Gläubigerausschuss. Er wurde eingesetzt und hat bereits erstmals getagt, wie Pandion mitteilte. Seine Aufgabe: die Fortführung der Insolvenzverfahren begleiten und die Interessen der Anleihegläubiger wahren.
Der Ausschuss nimmt seine Arbeit zu einem Zeitpunkt auf, an dem sich die Lage des Kölner Projektentwicklers weiter zuspitzt. Am vergangenen Samstag hatten elf weitere Projektgesellschaften Insolvenzanträge gestellt, betroffen sind Vorhaben in Stuttgart, Köln, Berlin und im Siebengebirge.
Seither hat die Aktie um 1,2 Prozent nachgegeben. Vor rund einem Monat, mit dem Insolvenzantrag der Muttergesellschaft in Eigenverwaltung, war der Kurs bereits um 34,6 Prozent eingebrochen.
Webcast informierte Anleihegläubiger
Vergangenen Dienstag informierte Pandion die Gläubiger der Anleihe 2021/2028 in einem Webcast über Hintergründe und Details der Rückzahlungsprobleme. Der Termin war angekündigt worden, nachdem das Unternehmen Anfang August mitgeteilt hatte, die am 5. August fällige Zinszahlung wegen einer unerwartet entstandenen Liquiditätslücke nicht fristgerecht leisten zu können.
Als Grund nannte Pandion damals, dass ein Finanzierungspartner einen zugesagten Finanzierungsbaustein entgegen bisheriger Erwartungen zurückgezogen habe.
Die Kombination aus geplatzter Zinszahlung und anschließenden Insolvenzanträgen hat den Handel in der Anleihe zuletzt geprägt. Der Kurs notiert aktuell bei 4,64 Euro, nach einem Schlusskurs von 4,70 Euro am Freitag.
Auf Wochensicht steht ein Minus von 10 Prozent zu Buche, über 30 Tage summiert sich der Verlust auf 78 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 21,5 signalisiert einen stark überverkauften Zustand, während die annualisierte Volatilität von 284 Prozent das Ausmaß der jüngsten Kursausschläge unterstreicht.
Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2025 als Vorgeschichte
Der Vertrauensverlust der Anleger speist sich auch aus den vorläufigen Zahlen für 2025, die Pandion Anfang Juli veröffentlichte. Das Unternehmen wies einen Vorsteuerverlust von 69,0 Millionen Euro aus, verursacht durch bewertungsbedingte Belastungen, Rückstellungsbildung und weiterhin hohe projektbezogene Finanzierungsaufwendungen.
Noch im Dezember hatte Pandion für 2025 ein leicht positives Ergebnis im einstelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt – die Kehrtwende traf Anleger unvorbereitet.
Bei Umsatzerlösen von 846,1 Millionen Euro, getrieben durch umfangreiche Projektübergaben, lag das vorläufige Betriebsergebnis bei 17,3 Millionen Euro, während die Gesamtleistung wegen hoher Bestandsabgänge und Wertberichtigungen auf 367,8 Millionen Euro sank.
Erst im vergangenen Winter hatte Pandion noch frisches Kapital eingesammelt: Gründer und Alleinaktionär Reinhold Knodel schloss im Februar eine nachrangige Finanzierung über 100 Millionen Euro ab, besichert durch 13 Wohnprojekte.
Im März folgte eine Projektfinanzierung über 240 Millionen Euro für ein Bürovorhaben in München mit Siemens als Ankermieter. Auch die Anleihegläubiger selbst hatten im Herbst vergangenen Jahres mit nahezu einstimmiger Zustimmung einer Laufzeitverlängerung bis 2028 samt höherem Kupon von 8,00 Prozent zugestimmt.
Dass die Lage sich seither trotz dieser Stützungsmaßnahmen derart verschärft hat, macht die Arbeit des neu eingesetzten Gläubigerausschusses zur zentralen Frage für die kommenden Wochen: Wie viel lässt sich aus den insolventen Projektgesellschaften noch für die Gläubiger retten?
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